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10.07.2001 Impfstoff gegen Krebs wird von Experten stark angezweifelt

Arbeiten zweier Ärzte im Zwielicht - Göttinger Universitätsklinik verspricht Aufklärung

Göttingen (AP) Die im März vergangenen Jahres als Sensation gefeierte Entdeckung eines angeblichen Impfstoffes gegen Krebs ist ins Zwielicht geraten. Nach Medienberichten über wissenschaftliche Zweifel an der Forschungsarbeit kündigte die Göttinger Universitätsklinik am Mittwoch eine eingehende Untersuchung an. In deren Mittelpunkt stehen die Ärzte Alexander Kugler (Göttingen) und Gernot Stuhler (Tübingen), die den Impfstoff gegen Nierenzellkarzinome entwickelt haben wollen.

Die «Süddeutsche Zeitung» hatte am Dienstag mehrere renommierte Wissenschaftler zitiert, die sowohl die Seriosität der Arbeit Kuglers und Stuhlers als auch die Wirksamkeit des Impfstoffs selbst in Zweifel ziehen. Die sensationellen Erfolgsmeldungen der beiden Ärzte hätten sich nicht bestätigt, und es bestehe zudem der Verdacht, dass der Impfstoff schädliche Nebenwirkungen für Patienten haben könnte.

Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz versprachen der Präsident der Universität Göttingen und der Dekan des Bereichs Humanmedizin, Horst Kern und Manfred Droese, die Aufklärung des Sachverhalts. Das Ombudsgremium des Klinikums werde alle Vorwürfe prüfen, die hinsichtlich der Herstellung, Wirksamkeit und Verträglichkeit des Impfstoffes erhoben worden seien. Außerdem werde untersucht, ob das gesamte Verfahren einem externen Gremium zur Überprüfung übergeben werde. Die Ethikkommission solle außerdem noch einmal die bereits genehmigte, aber noch nicht begonnene klinische Studie mit dem Impfstoff überprüfen.

Kern räumte ferner ein, dass bereits nach den bisherigen Untersuchungen des Ombudsgremium wissenschaftliches Fehlverhalten festzustellen sei. Ein Göttinger Wissenschaftler habe für seine Habilitationsschrift eine aus dem Internet heruntergeladene Abbildung ohne korrekte Quellenangabe verwendet.

Außerdem hat das Gremium laut Kern in seinem Zwischenbericht festgestellt, dass «zumindest im Ablauf der Beurteilung der Patienten und der Verbesserung der klinisch sichtbaren Symptomatik der wissenschaftlich notwendigen Sorgfalt nicht Genüge geleistet wurde». In beiden Fällen habe sich jedoch kein Beweis für ein wissentlich vorsätzliches Fehlverhalten gefunden. Die Interpretationen der Befunde hätten sich bei Nachprüfungen bestätigt. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte der Vorstand des Klinikums jede Impftherapie bei weiteren Patienten gestoppt. Bis dahin wurden 108 Patienten mit dem Impfstoff behandelt.

Der Impfstoff wird angeblich durch eine Elektrofusion von Krebszellen des Patienten mit Abwehrzellen eines gesunden Spenders erzeugt. Nach Angaben Göttinger Wissenschaftler sind rund 30 Prozent der Patienten, die akut vom Tod bedroht gewesen seien und für die es bislang keine andere Therapie gebe, Rückbildungen des Tumors festgestellt worden.

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