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11.10.2001 Neue Hoffnung für Krebspatienten

Frankfurt/Main (AP) Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich erkranken daran mehr als 340.000 Patienten, rund 200.000 sterben im gleichen Zeitraum an den Folgen. Mit dem diesjährigen Medizin-Nobelpreis hat das Komitee in Stockholm drei Wissenschaftler ausgezeichnet, deren Forschungen den Tumorpatienten neue Hoffnung geben. Experten sprechen von einem möglichen Durchbruch in der Krebsbehandlung.

Der Amerikaner Leland Hartwell und die beiden Briten Paul Nurse und Tim Hunt befassen sich seit Jahrzehnten mit der Steuerung des Zellzyklus - dort wird das Wachstum von Zellen und die Übertragung von Erbmasse auf Tochterzellen kontrolliert. Dieser Prozess wiederum ist Voraussetzung für die Zellteilung und das Ersetzen abgestorbener Zellen. Verliert dabei eine Zelle ihre Selbstkontrolle, kann das zu einem bösartigen und ungebremsten Wachstum von Tumoren führen.

Der 61 Jahre alte Amerikaner Leland nahm seine Forschungen am Fred-Hutchinson Zentrum für Krebsforschung bereits in den 70er Jahren auf. Er entdeckte dabei eine Kategorie von mehr als 100 Genen, die den Zellzyklus kontrollieren. Eines dieser Gene hat eine zentrale Funktion bei Beginn jedes neuen Zellzyklus und wird daher «Start» genannt.

Dem 52 Jahre alten Nurse gelang es mit Hilfe genetischer und molekularbiologischer Methoden, eine der Schlüsselkomponenten bei der Kontrolle des Zellzyklus zu identifizieren, den so genannten CDK-Komplex (Cyclin-abhängige Kinease). Die CDK treibt den Zellzyklus durch chemische Modifikation (Phosporylierung) auf andere Proteine an.

Den 58 Jahre alte Hunt zeichnete das Nobelkomitee für die Entdeckung des Proteins Cyclin aus, das die Funktion der CDK regelt. Hunt bewies, dass Cyclin im Zusammenhang mit der Zellteilung abgebaut wird - ein Mechanismus, der sich als zentral für die Kontrolle des Zellzyklus erwiesen hat. Hunt und Nurse sind Kollegen am renommierten Londoner Imperial Cancer Research Fund (ICRF).

Die Ergebnisse der Forscher könnten zu neuen Behandlungsmethoden bei Brustkrebs und Hirntumoren führen, erklärte Klas Wiman, Professor am Stockholmer Karolinska-Institut und Mitglied des 50-köpfigen Nobelkomitees. «Bei allen Krebszellen ist im Zellzyklus etwas schief gelaufen, und diese Entdeckungen haben die Grundlage für unser Verständnis darüber gelegt, wie der Zellzyklus Krebs beeinflusst.» Mit dem mit zehn Millionen Kronen (zwei Millionen Mark/eine Million Euro) dotierten Preis würdigte das Komitee die Leistungen der drei Forscher als bahnbrechend.

Allerdings befinde sich die Forschung noch in einem frühen Stadium, mahnte Wiman. Bis zu tatsächlichen Therapieerfolgen habe die Medizin noch einen weiten Weg vor sich: «Das wird noch dauern.» Auch Nurse betonte in einer ersten Reaktion: «Fortschritte in der Krebsforschung passieren nicht über Nacht. Aber dank langfristiger Forschung mit der langfristigen Finanzierung des ICRF haben wir jetzt eine bessere Vorstellung davon, wie sich Krebs tatsächlich entwickelt.»

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an den Amerikaner Leland H. Hartwell (links) sowie die beiden Briten Timothy Hunt (Mitte) und Paul M. Nurse (rechts). Sie werden für ihre Arbeiten zur Kontrolle des Zellzyklus ausgezeichnet.

Spektakuläre Fortschritte' im Kampf gegen KrebsLeland Hartwell hat nur ein Ziel vor Augen: dem Krebs sobald wie möglich Einhalt zu gebieten. 'Wir machen spektakuläre Erfolge', freut sich der Forscher, der in US- Forscherkreisen als 'ungewöhnlich kluger Kopf' gilt und seit langem Nobelpreis-verdächtig war.

Hartwell glaubt, dass es nie zuvor so gute Vorzeichen gab für die Vorsorge, Diagnose und Behandlung bösartiger Tumoren. Sein britischer Kollege Paul Nurse, mit dem sich Hartwell und der Brite Timothy Hunt die Auszeichnung teilen, würdigte den US- Forscher als jemanden, 'der Trends setzt, statt ihnen zu folgen'.

Das Hutchinson-Institut in Seattle, kurz 'Hutch' genannt, ist eines der führenden Krebszentren in den USA. Hartwell übernahm 1997 dessen Leitung. Ein Jahr später stiftete er seinem Institut das Preisgeld, das er mit dem angesehenen Albert-Lasker-Preis für Grundlagenforschung in der Medizin gewann: die Hälfte für die 'Hutch'-Schule, die kleine Krebspatienten auf dem Laufenden hält, und die andere Hälfte für Vereine, die Angehörige von 'Hutch'-Patienten betreuen und bei Familien in Seattle unterbringen.

Dieser Sinn für Praktisches wurde Hartwell in die Wiege gelegt. Lange, bevor er im Labor Geheimnisse der Zelle zu entschlüsseln begann, stand er seinem Vater bei der Produktion von Neonschildern zur Seite. Wie viele Nobelpreisgewinner vor ihm war Hartwell alles andere als ein beflissener Schüler. Er zerlegte lieber Radios und baute sie wieder zusammen, sammelte Insekten und las, was ihm in die Finger kam. Am 'Caltech', einer der führenden Technischen Hochschulen der USA, wurde er 'eher durch Zufall als durch Verdienst' aufgenommen, untertreibt Hartwell. Zum Büro fährt der'Hutch'- Präsident wie eh und je mit dem Fahrrad. Oft begleitet ihn seine Frau Theresa, die als Fotografin in dem Krebszentrum arbeitet.

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