|
|
| 20.11.2001 | Künstliches Fieber
unterstützt Chemotherapie bei Krebs Leipzig (AP) Lächelnd liegt die zwölfjährige Aarija in ihrem Bett und erzählt von der letzten Folge der amerikanischen Krankenhausserie «Emergency Room». Sie selbst hat inzwischen viel Erfahrung in Krankenhäusern gesammelt, und für ihre Eltern ist es fast ein Wunder, dass Aarija so entspannt erzählen kann. «Noch vor einem halben Jahr konnten wir sie nicht einmal anfassen, weil sie so starke Schmerzen hatte», erzählt ihr Vater Harald Herget. Vor drei Jahren erkrankte Aarija an einem Neuroblastom - einem Tumor, der vom Nervensystem ausgeht. Nachdem das Kind über Schmerzen in Hüfte und Leisten geklagt hatte, wurde der Krebs schließlich bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. «Bei so später Entdeckung stehen die Chancen sehr schlecht», weiß Herget, der selbst Mediziner ist. Immer wieder keimte Hoffnung auf, wenn die Krankheit nach verschiedenen Therapien besiegt schien. Doch stets entwickelten sich neue Metastasen. Jetzt hoffen Aarija und ihre Eltern auf die Wirkung einer neuen Methode, die nur in Leipzig und Essen angewendet wird. «Die so genannte Ganzkörper-Hyperthermie bei Kindern wird in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapie angewandt und soll die Wirkung dieser Therapien unterstützen», erläutert Professor Dieter Körholz von der Leipziger Universitäts-Kinderklinik. Bei der Hyperthermie wird der Körper der Patienten in einem Spezialgerät auf 41,8 Grad Celsius erwärmt. Zwei Stunden lang wird der Kranke, der während der Behandlung in Vollnarkose ist, in diesem künstlichen Fieber gehalten. «Durch die Hyperthermie wird der Wirkungsgrad der Chemotherapie um den Faktor drei bis fünf verstärkt», erklärt Körholz. Bei der Erwärmung können Tumorzellen, die sonst nicht mehr auf die Chemotherapie reagieren, wieder empfindlich gemacht werden. Gesundheit & Service Künstliches Fieber unterstützt Chemotherapie bei Krebs Noch ist die Ganzkörper-Hyperthermie nicht als Standardmethode anerkannt, macht Körholz deutlich. Harald Herget indessen ist von der Wirksamkeit der Methode schon heute überzeugt. «Bereits nach der ersten Hyperthermiebehandlung hatte Aarija deutlich weniger Schmerzen», erzählt er. Nach der zweiten Therapie seien Metastasen im Hirn seiner Tochter verschwunden gewesen. «Ob wir Aarija damit retten können, weiß keiner», ist Herget klar. «Aber allein die Lebensqualität, die sie jetzt wieder hat, ist unbeschreiblich.» Seitdem die Zwölfjährige zur Behandlung nach Leipzig komme, könne sie zu Hause in Gießen wieder mit ihren drei jüngeren Geschwistern spielen. Herget sieht in der lebensverlängernden Hyperthermiebehandlung auch die Chance, dass seine Tochter mit einer eventuell später möglichen Stammzellentransplantation doch noch gerettet wird. Für Körholz und Herget ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass das Behandlungsprojekt «Ganzkörper-Thermo-Chemotherapie» vom Verein «Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig» unterstützt wird. Der Verein, der Lions Club Saxonia Leipzig und die «Tour der Hoffnung» finanzierten ein neues Hyperthermiegerät, das vor kurzem von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt übergeben wurde. Schirmherrin des Projekts ist die aus der Fernseh-Arzt-Serie «In aller Freundschaft» als Oberschwester Ingrid bekannte Schauspielerin Jutta Kammann. Der Verein ist laut Körholz dringend auf Spenden angewiesen. Denn neue Therapieansätze wie die Ganzkörper-Hyperthermie können nach den derzeit bestehenden gesetzlichen Regelungen nicht grundsätzlich von den Krankenkassen finanziert werden. http://www.elternhilfe-leipzig.purespace.de |
|
proLIFE - Hilfe für Krebspatienten |