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18.02.2002 Fast jede zehnte Frau erkrankt an Brustkrebs

Hamburg. Brustkrebs trifft in Deutschland jedes Jahr mehr als 45 000 Frauen. Für die Behandlung ist entscheidend, in welchem Stadium der Tumor entdeckt wurde und ob sich der Krebs schon auf andere Organe ausgeweitet hat. In diesem Fall können auch die Ärzte wenig tun: Für rund 20 000 Frauen pro Jahr endet Brustkrebs tödlich.

«Es ist die häufigste bösartige Erkrankung und die Todesursache Nummer eins für Frauen unter 50 Jahren», sagt Professor Fritz Jänicke, Direktor der Frauenklinik im Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) in Hamburg. «Statistisch gesehen muss jede achte bis zehnte Frau damit rechnen, im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken», ergänzt Eva Kalbheim, Sprecherin der Deutschen Krebshilfe in Bonn. Etwa jede zweite Betroffene stirbt daran. Besonders häufig ist die Krankheit bei Frauen über 50 Jahren.

Wichtig ist daher laut Kalbheim die Krebsfrüherkennung. Denn je früher der Tumor entdeckt werde, umso besser seien die Heilungschancen. «Immer noch werden 80 Prozent der Tumore von den Frauen selbst ertastet», sagt Professor Jänicke. In der Regel wird dann eine Röntgenaufnahme der Brust gemacht, eine so genannte Mammographie, auf der die Geschwulst zu erkennen ist, die zuvor getastet wurde. Sie kann Hinweise darauf geben, ob der Tumor bösartig ist oder nicht. Zur Sicherheit wird eine Gewebeprobe entnommen.

Sowohl Jänicke als auch sein Kollege Professor Arne Jensen, Direktor der Universitätsfrauenklinik im Knappschaftskrankenhaus Bochum, empfehlen für die Behandlung ein Brustzentrum, wie es sie inzwischen an vielen größeren Krankenhäusern gibt. Dort arbeiten Gynäkologen, Radiologen und Internisten zusammen.

Um den Tumor zu verkleinern, wird häufig schon vor der Operation eine Chemo-Therapie vorgenommen. «Das gilt etwa, wenn der Tumor so groß ist, dass er kaum operiert werden kann», sagt Jens Huober, gynäkologischer Oberarzt in der Universitätsklinik Tübingen. Bislang seien Chemotherapien vor der Tumor-OP aber noch kein Standard, sondern werden nur im Rahmen von Studien erprobt, so Huober.

Bei der Operation muss die Brust heute nicht mehr zwangsläufig entfernt werden. «In unserer Klinik wird zu 70 Prozent brusterhaltend operiert», sagt Jänicke. Aber auch nach einer erfolgreichen OP ist die Krankheit nicht besiegt. Die weitere Behandlung hänge auch davon ab, ob die Lymphknoten in den Achseln betroffen sind. Ist das nicht der Fall, ist eine Chemotherapie unter Umständen sogar verzichtbar.

Andernfalls ist die Gefahr groß, dass der Krebs Zellen über die Blut- oder Lymphbahnen streut - dann kann es zu Metastasen etwa in der Leber oder in den Knochen kommen, was die Erkrankung sehr viel bedrohlicher macht. Während der Chemotherapie werden dem Körper dann in regelmäßigen Abständen Medikamente verabreicht, die die Krebszellen zerstören sollen.

«Diese Phase kann sich über mehrere Monate hinziehen», sagt Eva Kalbheim. «Die Nebenwirkungen sind heute gut beherrschbar, die Lebensqualität der Patientinnen wird nicht mehr so eingeschränkt wie noch vor einigen Jahren.» Allerdings sind Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall immer noch häufige Begleiterscheinungen.

Hat der Tumor Metastasen gebildet, ist die Heilung nach derzeitigem Forschungsstand nicht möglich. «Die Behandlung konzentriert sich dann darauf, die Überlebenszeit zu verlängern», sagt Professor Jänicke. Eine Hoffnung bleibt: «Die Zahl der Erkrankungen hat zwar zugenommen», sagt Jänicke. «Aber der Anteil der geheilten Patientinnen ist in den vergangenen Jahren ebenfalls gestiegen.» (dpa)

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