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| 15.03.2002 | Diagnose Lungenkrebs oft
Todesurteil Berlin. Man kann es kaum noch hören, es bleibt aber trotzdem wahr: jedes Jahr sterben in Deutschland 45000 Menschen an Lungentumoren. 90 Prozent von ihnen könnten leben, wenn sie nicht geraucht hätten. «Je früher mit dem Rauchen begonnen wird, je länger und je mehr geraucht wird, desto höher ist das Risiko für Lungenkrebs», betonte am Mittwoch in Berlin Peter Drings, Direktor der Thorax-Klinik Heidelberg/Rohrbach, auf dem 25. Deutschen Krebskongress. Je früher Lungenkrebs diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Aber gerade an der Früherkennung hapert es nach wie vor. Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie liefern zu oft falsche Befunde: Das Bild zeigt nichts auffälliges, wo tatsächlich ein Tumor ist oder stellt einen Schatten dar, wo sich tatsächlich nichts befindet. «Die Fehlerraten liegen zwischen 35 und 40 Prozent», sagte Dirk Kaiser vom Behring-Krankenhaus Berlin. Das sei zu viel, um sich als Arzt darauf zu verlassen. In mehreren Studien, die insgesamt 40 000 Patienten einschlossen, erwies sich das regelmäßige Röntgen der Lunge als untauglich für die Lungenkrebsfrüherkennung. Das Problem ist im Grunde nicht der eigentliche Tumor, sondern es sind die Lymphknoten, die von Lungenkrebszellen befallen sein können. Sie sind oft zu klein, als dass die Computertomographie sie erkennen könnte. Die neueste Entwicklung geht dahin, die Computertomographie mit der Positronen-Emission-Tomographie (PET) zu kombinieren. PET erkennt Stoffwechselunterschiede zwischen gesundem und krankem Gewebe. Die Falschdiagnosen könnten so auf zwei bis acht Prozent gesenkt werden, erläuterte Kaiser. Galt die Chirurgie bislang als Hauptmittel zur Bekämpfung eines Lungentumors, so greifen Ärzte immer häufiger zu einer Dreifach- Kombination aus Medikamenten, Bestrahlung und Operation. «Wir schießen noch mit Schrot, ohne zu wissen, ob wir auch treffen», umschrieb Ludger Sunder-Plassmann von der Universität Ulm die Unsicherheit des Verfahrens. Zytostatika (Zellgifte) werden Lungenkrebspatienten gegeben, von denen angenommen wird, das einzelne Tumorzellen bereits im Körper kreisen. «Ob das hilft, wissen wir nicht genau.» Bis auf weiteres bleibe es deshalb dabei, die mit Lungenkrebs verbundenen Lymphknoten entlang der Speise- und der Luftröhre immer chirurgisch mit zu entfernen. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate hat sich bei Lungenkrebs in der Vergangenheit nicht verbessert. Wird dieser Krebs im Frühstadium erkannt, überleben 70 Prozent der Behandelten die nächsten fünf Jahre. In einem späteren Stadium sinkt die Rate trotz der Dreier- Kombination aus Medikament, Bestrahlung und Chirurgie bestenfalls auf 30 bis 40 Prozent - aber auch nur in den spezialisierten Centren. Bei allen Lungenkrebspatienten zusammengenommen ergibt sich nach Angaben der Ärzte eine durchschnittliche Lebenserwartung von fünf Jahren nur noch für 15 Prozent der Betroffenen. Für Nichtraucher sei das Passivrauchen am Arbeitsplatz der Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs, sagte Drings. «Passivrauchen entspricht in etwa der Arbeit in der Asbestindustrie oder mit Chemikalien.» Mediziner rechnen mit etwa 300 Lungenkrebsfällen durch Passivrauchen jährlich in der Bundesrepublik. Die Deutsche Krebsgesellschaft möchte ein Internet-Projekt «Nichtrauchen am Arbeitsplatz» initiieren, dass demnächst in das Internetportal der Gesellschaft eingebunden werden soll. (dpa) Internet: Deutsche Krebsgesellschaft: http://www.krebsgesellschaft.de |
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