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04.04.2002 Früherkennung soll Darmkrebs-Risiko verringern

Leipzig. Eine unausgewogene Ernährung, zu viel Alkohol und erbliche Veranlagungen sind die Risikofaktoren für Darmkrebs. Im bundesweit ersten «Darmkrebsmonat» werben die Mediziner nun für regelmäßige Voruntersuchungen.

«Von jährlich 60 000 Neuerkrankten in Deutschland sterben rund 34 000, weil der Tumor zu spät diagnostiziert wird», sagte der Präsident der Mitteldeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Prof. Joachim Mössner. «Das Tückische des Darmkrebses ist, sobald Symptome auftreten, ist der Tumor schon weit fortgeschritten».

Müdigkeit, Abgeschlagenheit und krampfartige Bauchschmerzen seien neben Blut im Stuhl die typischen Alarmsignale. «Doch nicht jeder Tumor hinterlässt sofort sichtbare Blutungen.» Deshalb plädiert der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II der Universität Leipzig für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: «Wer sich regelmäßig ab dem 45. Lebensjahr untersuchen lässt, bei dem sinkt die Sterblichkeitsrate an Darmkrebs um ein Drittel.» Immerhin zählt Dickdarmkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen neben Lungenkrebs.

«Einen idealen Krebsvorsorgetest gibt es nicht. Doch was wir jetzt bieten, ist besser als gar nichts», sagte Mössner. Die Mediziner fordern deshalb, dass jeder ab dem 50. Lebensjahr alle zehn Jahre einmal zur Dickdarmspiegelung gehen soll. Aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen zufolge, bezahlen die Krankenkassen dies wahrscheinlich in Zukunft ab dem 56. Lebensjahr. «Ein Nullrisiko wird es auch dann nicht geben», sagte der Mediziner.

Wichtigen Einfluss auf die Entstehung von Darmkrebs hat auch die Ernährungsweise: Eine ballaststoffarme, fett- und fleischreiche Kost erhöht nach Mössners Worten das Risiko, an Krebs zu erkranken. Sie sei wahrscheinlich deshalb so schädlich, weil die Verweildauer der Nahrung im Darm länger ist als bei faserreicher und fettarmer Kost. Dies ermöglicht eine längere Kontaktzeit von Krebs erregenden Stoffen wie beispielsweise gegrilltem Fleisch. «Vorsicht ist auch geboten, wenn jemand in der näheren Verwandtschaft an Krebs erkrankt ist», sagte der 51-Jährige. Dann sollte man sich schon in jungen Jahren einer Vorsorgeuntersuchung unterziehen.

Obwohl mehr Menschen von Darmkrebs betroffen seien als von Leukämie, sei es in der breiten Öffentlichkeit oft noch ein Tabuthema. «Wenn ein Manager durch einen Herzinfarkt stirbt oder ein junges Mädchen an Leukämie erkrankt, rührt das die Herzen. Aber wenn jemand an einem Karzinom stirbt, erfährt das weniger Beachtung in der breiteren Öffentlichkeit», sagte Mössner. So sei den wenigsten bekannt, dass der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) sowie der Journalist und «Tagesthemen»-Moderator Hans-Joachim Friedrichs den Kampf gegen Darmkrebs verloren hätten. (dpa)

Internet: Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten:
http://www.dgvs.de

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