Aktuelles
 

17.06.2002 Mundhöhlenkrebs früh behandeln

Leipzig. Bei der Heilung von Mundhöhlenkrebs läuft Ärzten die Zeitweg: Viele Betroffene gehen erst zum Kieferchirurgen, wenn sie kaum sprechen können. «Dann sind die Tumore schon so groß, dass nur noch jeder zweite Patient fünf Jahre nach der Operation lebt», sagte Alexander Hemprich, Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Leipzig.

Mit einer einfachen «Abbürstung» könnten mehr Tumore früher erkannt und Erkrankte langfristig geheilt werden. Diese Methode wird bundesweit nur in Leipzig angeboten.

In Deutschland erkranken jährlich rund 4000 Menschen an Mundhöhlenkrebs, und die Zahl der Karzinome an Zunge, Zungengrund und Wangen steigt. Als eine Ursache für die hohe Sterblichkeit nennt der Leipziger Mundchirurg Torsten Remmerbach die mangelhafte Zahnarztausbildung. «Diejenigen, die den Patienten am häufigsten in den Mund gucken, können Mundhöhlenkarzinome im Frühstadium oft nicht erkennen.»

Das hat fatale Folgen, denn der fünfthäufigste Krebs ist besonders heimtückisch. «Zunächst meinen die Patienten, sich nur gebissen zu haben und denken nicht an einen bösartigen Tumor», sagte Gesichtschirurg Hemprich. Das aber sei ein Trugschluss. «Bei über der Hälfte der Erstuntersuchungen stellen wir schon Metastasen in den Halslymphknoten fest», ergänzte der 49-jährige Professor. Eine Operation bedeute dann die einzige Rettung.

Auf dieses Vabanquespiel sollten sich Patienten nach Meinung des Mundchirurgen Remmerbach nicht einlassen. Er plädiert für mehr Früherkennungen. Trotz besserer Behandlungs- und Bestrahlungsmethoden seien in den vergangenen Jahren die Überlebensraten nach Operationen nicht gestiegen. Früher waren solche Untersuchungen allerdings schmerzhaft und hinterließen zum Teil sichtbare Narben, weil verdächtiges Gewebe heraus geschnitten wurde.

Heute erprobt Remmerbach die «Abbürstung». «Damit können wir die Schleimhaut auf einer breiten Fläche schmerzfrei erfassen und bereits kleine Tumoren ausmachen.» Mit einem Bürstchen werden Zellen der Mundschleimhaut abgestrichen, eingefärbt und auf einen vergrößerten Zellkern untersucht. Nach einer Woche steht fest, ob die Zellen bösartig verändert sind. Die Heilungschance liegt in diesem Stadium noch bei etwa 80 Prozent. Um das Ergebnis zu bestätigen wird der Zellkern zusätzlich auf einen erhöhten Gehalt der Erbsubstanz DNA getestet. Dieser zeichnet Tumorzellen aus. «Eine einfache Methode, die aber nur wenige pathologische Institute beherrschen», erklärte Remmerbach.

Der 30-jährige Mundchirurg lernte das Rüstzeug während seines Studiums beim Düsseldorfer Zytologen Alfred Böcking. Dieser hatte bereits in den 80er Jahren als einer der Wenigen verdächtige Zellen verschiedener Organe untersucht, um Tumoren frühzeitig auf die Spur zu kommen. Seit 1997 entwickelt der Schüler die Methode am kieferchirurgischen Zentrum in Leipzig weiter. «Wir haben sie treffsicherer gemacht und weitere Indikatoren für bösartige Tumore gefunden», sagte Remmerbach. Seine Ergebnisse will er bald veröffentlichen. (dpa)

THEMA

Medizin
Vorbeugung
Psyche

proLIFE - Hilfe für Krebspatienten
Walderdorffer Hof | Fahrgasse 5 | 65549 Limburg | E-Mail: info@prolife.de

Spendenkonto: 800 619, Limburger Volksbank, BLZ 511 900 00
TYPCOLOR & Hochhardt & Partner