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| 02.09.2002 | Immer mehr Frauen haben
Lungenkrebs Bonn. Lungenkrebs ist in Deutschland eine der häufigsten Krebsarten. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe in Bonn sind rund 27 900 Männer und 8900 Frauen pro Jahr betroffen. Während die Rate der Neuerkrankungen bei Männern seit einigen Jahren leicht zurückgeht, steigt sie bei Frauen deutlich an. Der Grund dafür ist simpel: «Immer mehr Frauen rauchen, und das Einstiegsalter sinkt stetig», weiß die Ärztin Eva Kalbheim, Sprecherin der Krebshilfe. Wenn ein Krebstumor in der Lunge erkannt wird, beginnt für den Patienten und seine Ärzte ein Wettlauf mit der Zeit, den die Mehrheit der Betroffenen verliert: Nur etwa 13 Prozent von ihnen sind fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben. Die Heilungschancen sind vor allem deshalb so schlecht, weil Lungentumore fast immer erst im Spätstadium erkannt werden: «Wenn ein Patient mit Schmerzen oder blutigem Husten zum Arzt kommt, ist der Krebs meist schon sehr weit fortgeschritten», sagt Professor Peter Drings von der Thoraxklinik in Heidelberg. Für eine Operation oder eine wirksame Bestrahlungstherapie sei es dann oft zu spät. Fortgeschrittene Tumore ließen sich oft nicht mehr operieren und haben Tochtergeschwülste - so genannte Metastasen - gebildet, die sich im Körper ausbreiten. Rund 90 Prozent der Lungenkrebsfälle bei Männern werden Studien zufolge durch das Rauchen verursacht. Bei Frauen sind es derzeit noch rund 60 Prozent - aber mit steigender Tendenz. Das geht aus Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin hervor. «Zigarettenrauch enthält um die 80 Krebs erregende Substanzen», sagt Professor Christian Manegold von der Thoraxklinik in Heidelberg. Die Stoffe verändern die Zellen und schädigen das Erbgut. Je mehr und je länger ein Mensch raucht, desto höher ist sein Krebsrisiko. Da es rund 20 Jahre dauert, bis Lungenkrebs als Folge des Rauchens entsteht, ignorieren viele Raucher diesen Zusammenhang. Vor allem Jugendliche greifen immer früher zur Zigarette: «Das Einstiegsalter liegt jetzt bei 13 Jahren», sagt Eva Kalbheim. Besonders bei Mädchen sei der Zigarettenkonsum gestiegen: Rund 80 Prozent der weiblichen Teenager in Deutschland rauchen. «Schon jetzt zeigen sich die Folgen an der steigenden Krebsrate bei Frauen», sagt Spezialist Drings. Der dramatische Anstieg stehe aber erst noch bevor. «Rauchen gilt immer noch als cool und erwachsen», benennt Eva Kalbheim das Problem. «Vor allem die Mädchen sind enorm anfällig für den Gruppenzwang.» Warnungen und Präventionsprogramme stoßen bei den Jugendlichen auf taube Ohren: «Mit der Keule Lungenkrebs erreicht man bei dieser Gruppe nichts», weiß Kalbheim. «Was in 20 Jahren ist, interessiert viele ganz einfach nicht.» Wer es schafft, sich von der Sucht nach Nikotin zu befreien, senkt sein Lungenkrebsrisiko mit jedem Jahr. «Bei starken ehemaligen Rauchern hat sich das Risiko nach 10 Jahren halbiert», erklärt Professor Peter Drings. Eine unterschätzte Gefahr ist aber auch das Passivrauchen: Die Schadstoffbelastung an verqualmten Arbeitsplätzen sei höher als bisher angenommen, sagt Eva Kalbheim. «Jedes Jahr bekommen rund 400 Passivraucher in Deutschland Lungenkrebs», weiß die Sprecherin der Krebshilfe. Deshalb haben Bundestag und Bundesrat jetzt eine Änderung der Arbeitsstättenverordnung beschlossen, die Nichtrauchern das Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz einräumt. Neben der Aufklärung und Prävention arbeiten Wissenschaftler an der Entwicklung von neuen Früherkennungsmethoden, die bessere Heilungschancen bei Lungenkrebs ermöglichen sollen. Doch die Aussagekraft der bisher entwickelten Verfahren ist noch umstritten. Niedrigdosis-Computertomographie und Autofluoreszenz-Bronchoskopie sind neue Methoden, die Veränderungen des Lungengewebes früher sichtbar machen sollen. Doch einen Schutz gegen den Krebs bieten diese Verfahren noch lange nicht: «Sie sind technisch aufwendig und hochgradig experimentell», urteilt Professor Christian Manegold. Eine andere Methode ist die Sputum-Untersuchung, bei der Patienten ihren Hustenschleim auf Krebszellen testen lassen können. Bisher habe aber auch dieses Verfahren wenig gebracht. Zudem mangelt es Manegold zufolge an der technischen Infrastruktur: Nur wenige Spezialkliniken in Deutschland könnten die Untersuchungen bisher anbieten. «Sinnvoll sind sie bestenfalls für Risikopatienten», meint Manegold. Das sind vor allem Raucher im Alter über 50 Jahren, denn das Lungenkrebsrisiko steigt nicht nur mit dem Zigarettenkonsum, sondern auch mit dem Alter. Eine wirksame Vorsorge mit Hilfe medizinischer Methoden gibt es bisher praktisch nicht. In einem sind sich alle Mediziner und Organisationen einig: Die beste Möglichkeit, sich gegen Lungenkrebs zu schützen, ist der Verzicht auf Zigaretten. (dpa) |
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proLIFE - Hilfe für Krebspatienten |