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26.07.99 Kult um braune Haut hat fatale Folgen

Hautkrebserkrankungen steigen dramatisch an - Wirkung von Sonnencreme umstritten

München (AP) Braune Haut gilt als schön und sexy. Sie läßt an Freizeit, Urlaub, Entspannung denken. Der knackigen Farbe zuliebe schlagen viele Mitteleuropäer die Warnungen von Hautärzten in den Wind und braten stundenlang in der Sonne. Die Folgen sind Experten zufolge fatal: «In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Zahl der Hautkrebserkrankungen verzehnfacht», sagt Claus Garbe, Dermatologe an der Uniklinik Tübingen, «und die Zahlen steigen weiter an.» Hautkrebs sei mittlerweile nach Lungenkrebs bei Männern und Brustkrebs bei Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung. Wie Beate Volkmer, Biologin im Dermatologischen Zentrum Buxtehude, erklärt, ist ein verändertes Freizeitverhalten Grund für den Anstieg. Reisen in Mittelmeerländer, lange Aufenthalte in der Sonne und die Überzeugung «Braun ist schön» seien in den vergangenen 50 Jahren in Mode gekommen. Die schwindende Ozonschicht spiele derzeit noch keine Rolle: «Die Latenzzeit bei Krebs ist sehr lang», erklärt die Expertin, «das Ozon könnte sich erst in 20 bis 30 Jahren auswirken.» Die gefährlichste Hautkrebsart sei der Schwarze Hautkrebs, der sich aus Leberflecken entwickele, unterstreicht Volkmer. Dieser aggressive Krebs bilde Metastasen, die sich nur schwer behandeln ließen. Schätzungen zufolge erkranken derzeit jährlich bis zu 12.000 Menschen in Deutschland an Schwarzem Hautkrebs, rund 2.000 davon sterben. Besonders gefährdet sind Menschen, die als Kind lange der Sonne ausgesetzt waren, da sie verstärkt Leberflecken entwickeln. «Menschen mit mehr als 40 Leberflecken sind Risikopatienten, die sich regelmäßig untersuchen lassen sollten», rät Volkmer. Zu viel Sonne kann auch andere Hautkrebsarten wie Basalzellkarzinom und Stachelzellkrebs auslösen. Wie Garbe von der Uni Tübingen erklärt, handelt es sich dabei um Oberhautkrebs, der sich bei älteren Menschen vor allem im Gesicht und am Hals bildet - also Körperteilen, die besonders stark der Sonne ausgesetzt waren. Nicht rechtzeitig behandelt, könnten auch diese Krebsarten zum Tod führen. Auch Aufenthalt im Solarium ist gefährlich. Zur Vorbeugung rät Garbe, vor allem die Mittagssonne zu meiden. Läßt sich ein Aufenthalt nicht vermeiden, bietet Kleidung den besten Schutz. Die Wirksamkeit von Sonnencreme sei dagegen umstritten: «Sonnencreme schützt vor Sonnenbrand», sagt der Mediziner, «doch daß sie auch vor Krebs schützt, ist nicht erwiesen.» Vor allem appelliert Garbe an Eltern, kleine Kinder nicht der Sonne auszusetzen. Auch Aufenthalte im Solarium seien gefährlich, betont Garbe. Zwar arbeiteten die meisten Sonnenstudios mit weniger aggressiver UVA-Strahlung, doch könnte auch diese in hohen Dosen zu Krebs führen. Vom «Vorbräunen» im Studio halten Experten daher nichts. Nur bei Menschen mit einer Sonnenallergie könnte eine solche Behandlung sinnvoll sein.

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