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06.07.2000 Günstige Wohnungen für bedürftige Krebskranke

Einzigartiges Projekt in Bayern soll Patienten aus sozialer Notlage heraushelfen.

München (AP) Die Räume sind groß, hell und freundlich. Es riecht noch unbewohnt, nach Farbe und dem neuen Laminatboden. Schon bald werden diese 40 Quadratmeter mit Leben erfüllt sein, Leben, um das die Bewohner tagtäglich hart kämpfen. In dem Neubau in der Nymphenburger Straße in München wird ein Krebspatient zu Hause sein, der sich auf dem teuren Mietmarkt der bayerischen Landeshauptstadt sonst keine Wohnung leisten kann. Das Zentrum «Leben mit Krebs» ist ein bundesweit einzigartiges Projekt der Bayerischen Krebsgesellschaft, das seit kurzem günstig Wohnraum an Krebspatienten in sozialen Notlagen vermietet.

Die Idee sei schon alt, erklärt die Geschäftsführerin der
Krebsgesellschaft, Claudia Zimmermann. Vor 20 Jahren hinterließ eine wohlhabende Münchnerin, die selbst an Krebs gestorben war, der Gesellschaft mehrere Eigentumswohnungen in München und Umgebung mit der Auflage, daraus ein «Heim für einsame Krebspatienten» zu machen. Damals fehlten die nötigen Mittel, dies umzusetzen. Vor ein paar Jahren wurden die Wohnungen verkauft und mit Hilfe eines Zuschusses der Bayerischen Landesstiftung sieben neue Wohnungen in City naher Innenhoflage erworben. Der Mietpreis liegt bei 14 bis 15 Mark pro Quadratmeter, weit unter dem ortsüblichen Niveau von zirka 25 Mark.

Die erste Mieterin zog Ende April ein, weitere 15 Bewerbungen folgten. Fünf Wohnungen - drei Zwei-Zimmer-Wohnungen und zwei Ein-Zimmer-Appartements - stehen für Krebspatienten zur Verfügung. Zwei Wohnungen dienen als kostengünstiges «Hotel» für Angehörige von Patienten,
die in München in Behandlung sind. Die Übernachtung kostet hier 20 Mark. Wer einziehen darf, entscheidet ein Wohnungsvergabeausschuss. Die Auswahlkriterien sind streng: Die soziale Notlage muss eindeutig auf die Krebserkrankung zurück zu führen sein.

Hinter den Bewerbungen verbergen sich teilweise tragische Schicksale:

eine 51-jährige Mieterin, die demnächst einzieht, arbeitete viele Jahre in Italien als Altenpflegerin. Anfang des Jahres nahm sie eine Stelle am Bodensee zur Pflege eines älteren Mannes an, verlor diese jedoch bald, weil ihr Patient in ein Pflegeheim musste. Im Frühjahr diagnostizierten die Ärzte bei ihr Gebärmutterkrebs. Bei der Reha wurde dann auch noch ein Knoten in ihrer Brust entdeckt, der sich aber als gutartig herausstellte. Zur Zeit wohnt sie bei einer Freundin in München und muss von 480 Mark Sozialhilfe leben.

Auch Beratungen werden angeboten

In den meisten Fällen sind es allein Stehende, die sich bewerben, aber auch Ehepaare sind darunter. «Es gibt bereits viele Einrichtungen für krebskranke Kinder. Wir richten uns an Erwachsene, die oft aus ihrem normalen Familienverband herausgerissen sind», sagt Zimmermann. Aus diesem Grund seien die Bewohner in der Regel daran interessiert, mit den anderen Mietern in Kontakt zu kommen.

Die Wohnungen liegen direkt gegenüber der Psychosozialen Beratungsstelle München, neben der psychologischen und sozialen wird auch Ernährungs-, Renten- und medizinische Beratung angeboten. Zum Service der Beratungsstelle gehören außerdem Gesprächsgruppen, Qi-Gong-Kurse (Entspannungs- und Konzentrationsübungen) und die Vermittlung von Pflegediensten. Drei der Wohnungen sind behindertengerecht gestaltet.

Gelinge es einem Patienten, seine Krankheit zu besiegen, werde er nicht einfach vor die Tür gesetzt, betont Claudia Zimmermann. Aber der Mietpreis werde dann auf Marktniveau angehoben, um den Mieter so zum Auszug zu bewegen und den Platz wieder für Bedürftige freizumachen. «Der schönste Erfolg ist für uns, wenn Leute ausziehen und wieder Boden unter den Füßen haben, wenn ihre Prognose gut ist und sie sich selbst gut fühlen.»

(Bayerische Krebsgesellschaft e. V., Nymphenburger Straße 21a, 80335 München,
Tel: 089-54 88 40-0.)

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