Erlebt
 

Marlen von Kunhardt

Mein Leben nach der Diagnose

Im November 1998 begab ich mich zu einer ganz normalen Routineuntersuchung der Brust, einer Mammographie. Ich war mir ganz sicher, dass man nichts bei mir finden würde, weil ich mein Leben lang ein ausgesprochen gesunder Mensch gewesen war. Aber dieses Mal sollte es anders kommen. Der Arzt riet mir bald möglichst zu einer operativen Untersuchung im Krankenhaus. Ich war außer mir und wies sein Ansinnen weit weg. Den ganzen Nachmittag dachte ich: „Er irrt sich.“ 

Am Abend hielt ich es nicht länger aus und rief unseren Freund Professor Diehl in Köln an, einen renommierten Onkologen, mit dem wir im christlichen Glauben verbunden sind. Schon am nächsten Morgen saß ich im Zug und wurde mittags zwei weiteren Ärzten vorgestellt. Beide befanden nach eingehender Untersuchung, dass die rechte Brust „aufgemacht“ werden sollte. Und zwar bald. 

Ich – und Krebs?

Eine Woche später lag ich in der Kölner Uni-Klinik im OP. Als mich am Abend vorher ein junger Arzt fragte: „Können Sie die Wahrheit vertragen?“ war ich immer noch davon überzeugt, dass alles ein Irrtum sein müsse. Ich doch nicht: Ich hatte doch immer gesund gelebt. Das Thema Gesundheit ist für mich und meinen Mann sogar Berufsinhalt. In vielen Seminaren und Vorträgen hatten wir Menschen gezeigt, wie die Gesundheit zu wahren und zu verbessern wäre. Und wir selber hatten konsequent danach gelebt: Uns viel bewegt, richtig ernährt und versucht, eine gute Lebensbalance zu finden. Deshalb war eine eigene Krebserkrankung jenseits meiner Vorstellung. 

Aber jetzt fing ich an zu zweifeln und merkte, wie mir der Boden unter den Füßen entglitt. Deshalb betete ich und vertraute mich Gott in meiner ungeklärten Situation an. Mein Mann versprach, mit unseren Kindern um eine weise Führung Gottes zu beten. Wunderbarer Weise konnte ich in dieser Nacht tief und fest schlafen. 

Schlimme Gewißheit nach der Operation

Die Operation dauerte lang und war offensichtlich schwierig. Als ich danach wieder zu mir kam, erklärte mir der Arzt in ruhigen Worten, dass er die rechte Brust hatte amputieren müssen und zwar restlos. Außerdem hatte er aus der Achsel 17 Lymphknoten für eine Gewebeuntersuchung entnommen. Er wollte wissen, ob der Krebs schon weiter gewandert war. 

Noch benommen von den Narkosemedikamenten, hörte ich die Worte wie durch einen Nebel. Ich realisierte die Tragweite nicht und war nur sehr froh, dass mein Mann da war. Er hatte sich extra Urlaub genommen, um mir in meiner Not nahe sein zu können. Er benachrichtigte unsere Familie und Freunde. Überall im Land fanden sich daraufhin Menschen zusammen, die für mich beteten, selbst solche, die ich gar nicht kannte. Das mag sicher mit ein Grund gewesen sein, dass ich trotz der totalen Veränderung in meinem Leben seelisch immer zuversichtlich blieb und mich von Gott getragen wusste. 

Die Auswirkungen der Therapie

Während ich mich nach und nach in mein Schicksal fügte, unwiderruflich brustamputiert zu sein, musste ich gleichzeitig eine hoch dosierte Chemotherapie über mich ergehen lassen. Schon sechs Lymphknoten waren befallen: Ich war im sogenannten G3-Stadium, d.h. schwer krebskrank, mit einer nur geringen Überlebenschance. Man versuchte, mich mit dem Maximum der zu ertragenden Dosis von Cyclophosphamid, Taxol und Epirubicin zu therapieren. Die körperlichen Folgen wie totaler Haarausfall, Zerstörung der Schleimhäute und besonders der für die Immunabwehr zuständigen Blutzellen machten mir sehr zu schaffen. Meine Muskeln bildeten sich stark zurück, sodass ich kaum noch laufen oder Treppen steigen konnte. In dieser Zeit war ich ganz und gar auf die Hilfe anderer angewiesen.

Liebevolle Hilfe von allen Seiten

Viele Menschen waren als wahre Schutzengel um mich. Mein Mann, der jeden Tag mit mir betete und mir aus der Bibel vorlas. Er war Tag und Nacht bei mir und vernachlässigte seine Arbeit, nur um mich aufzubauen. Er kochte, bügelte, saugte Staub und beantwortete all die vielen Nachfragen. Unsere Kinder, die mir ihre Liebe durch Besuche und Briefe zeigten, mir Mut machten und mit für mich glaubten. Freunde, die mit mir beteten. Andere, die mir Blumen schickten, kleine Geschenke brachten. Die Nachbarin, die für mich Frühlingsblumen in meinem Garten pflanzte, weil ich selbst zu schwach dazu war.

 Schließlich half mir unser Freund Professor Diehl aus Köln, der sich wöchentlich nach meinem Befinden erkundigte und mir ganz praktische Ratschläge gab: So besorgte ich mir im Voraus ein Desinfektionsmittel gegen die Infektionen der Mundschleimhaut, die die Chemotherapie nach sich zieht. Seine Verhaltensempfehlungen waren außerdem: „Tu nur das, was du wirklich willst. Mach keine Kompromisse mehr nur um des ‚lieben Friedens’ willen. Nimm dir regelmäßig Zeiten der Ruhe. Zieh dich zurück, wenn dir danach ist.“

Täglich beschenkt

Ganz langsam fing ich an, meinen Kreislauf und meine Muskulatur wieder zu trainieren. Über jeden kleinen Fortschritt habe ich mich bewusst gefreut. Heute bin ich wieder gut konditioniert, habe aber durch meine Krankheit an Belastbarkeit eingebüßt. Ich nehme mir nicht mehr so viel vor, plane mehr Pausen ein und versuche, alles in Ruhe und Gelassenheit zu tun. Morgens starte ich ruhiger als früher in den Tag, ich lebe mein Leben bewusst dankbar und will gut mit mir umgehen.

Inzwischen lebe ich wieder ein fast normales Leben und möchte die Krankheit nicht mehr missen. Ich habe in der Zeit der Not täglich die Liebe und Nähe Jesu gespürt, fühlte mich geborgen und getragen, habe nie die Zuversicht verloren. Ich weiß, dass meine wiedergewonnene Gesundheit nicht selbstverständlich ist. Jeden Tag freue ich mich über mein schönes Leben, treibe wieder Sport und möchte anderen Menschen mit meinen Glaubenserfahrungen Mut machen. 

Kontakt:
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