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Neoblase - alle Informationen zur Neoblase

Christiane Oedekoven

Christiane Oedekoven
Pflegeexpertin Stoma / Kontinenz
Examinierte Krankenschwester
Zertifizierte Ernährungsexpertin
Medizinprodukteberaterin

Was ist eine Neoblase?

Bei der Neoblase handelt es sich um einen künstlich geschaffenen Ersatz für die Harnblase. Sie wird chirurgisch durch ein kurzes Stück Dünndarm geformt. Der Urin gelangt über die Harnleiter, die mit der Neoblase verbunden werden, aus den Nieren in die Ersatzblase. Diese wird oberhalb des erhaltenen Schließmuskels mit der Harnröhre verbunden. Damit ist die Neoblase ein kontinenter Harnblasenersatz und kommt in ihrer Funktionsweise der natürlichen Harnblase am nächsten.

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Wann wird eine Neoblase notwendig?

Eine Neoblase wird angelegt, wenn die Harnblase entfernt werden musste. Dieser Eingriff wird Zystektomie genannt. Die Entfernung der Harnblase kann verschiedene Ursachen haben:

  • Am häufigsten ist ein bösartiger Harnblasentumor (Blasenkrebs) der Grund für die Blasenentfernung. Aber auch gutartige Tumore können dafür verantwortlich sein.
  • Auch Verletzungen nach einem Unfall oder durch eine Operation können die Blase so beschädigen, dass eine Ersatzblase geschaffen werden muss. Gelegentlich ist auch eine Schrumpfblase der Grund für die Entfernung der Harnblase. Sie kann durch chronische
  • Entzündungen oder eine Bestrahlung der Harnblase entstehen. Besteht eine Schrumpfblase, kann die Harnblase ihre Funktion als Urinspeicher nicht mehr erfüllen.

Wie wird eine Neoblase angelegt?

Um aus Dünndarmanteilen eine Neoblase zu konstruieren, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Zum einen muss die Harnröhre intakt und darf nicht vom Tumor befallen sein. Zum anderen muss genügend Darm zur Verfügung stehen, um die Neoblase zu bilden. Wurde aus anderen Gründen der Darm bereits stark gekürzt oder besteht eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, kann das die Konstruktion einer Neoblase erschweren.
Abhängig von der Operationstechnik wird ein 40 bis 70 Zentimeter langes Stück Dünndarm ausgeschaltet, um es für den Aufbau einer Ersatzblase zu verwenden. Mithilfe verschiedener Schnitttechniken wird daraus eine Darmplatte gebildet. Diese Darmplatte wird an ihren Außenkanten vernäht und bildet jetzt die Neoblase. Damit der Urin, der in den Nieren produziert wird, ausgeschieden werden kann, wird die Neoblase im oberen Bereich mit den Harnleitern und im unteren Bereich mit der Harnröhre verbunden. Die Neoblase kann ihre Aufgabe als Urinreservoir nun erfüllen.

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Welche Vor- und Nachteile hat eine Neoblase?

Wie sieht das Leben mit Neoblase aus?

Auch wenn eine Neoblase ähnlich wie eine natürliche Harnblase funktioniert, so sind doch einige Besonderheiten zu beachten:

Die Neoblase entleeren

Die Neoblase verfügt im Gegensatz zur natürlichen Harnblase nicht über Muskeln, die sich beim Entleeren zusammenziehen. Der Urin muss durch das aktive Pressen mit dem Bauch aus der Neoblase gedrückt werden. Gleichzeitig muss der Beckenboden locker gelassen werden, damit sich der Schließmuskel in der Harnröhre entspannt. Das ist am besten in sitzender Position der Fall. Statt der Bauchpresse kann auch mit der Hand auf den Unterbauch gedrückt werden. Der gesamte Vorgang dauert etwas länger als die Entleerung der natürlichen Harnblase. Dabei ist es sehr wichtig, dass die Neoblase nach dem Wasserlassen vollständig entleert ist. Urin, der in der Neoblase zurückbleibt, begünstigt bakterielle Infektionen. Da mit einer Neoblase kein Harndrang empfunden werden kann, muss sie zu festen Zeiten geleert werden. So lässt sich eine Überdehnung oder ein unwillkürlicher Urinverlust vermeiden. In den ersten drei Monaten nach der Operation muss die Ersatzblase alle drei bis vier Stunden entleert werden. Nach drei Monaten reichen zeitliche Abstände von vier bis sechs Stunden. Das gilt natürlich auch nachts.

Auf den Säure-Basen-Haushalt achten

Bei Patienten mit einer Neoblase muss regelmäßig das Blut untersucht werden, um eine Übersäuerung oder veränderte Blutsalze (Elektrolyte) frühzeitig zu erkennen. Das Darmgewebe, aus dem die Neoblase geformt wurde, nimmt nämlich Säuren, die über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden werden, wieder in den Blutkreislauf auf. In geringem Maße kann das der Körper gut ausgleichen. Kommt es zu einer Übersäuerung, muss medikamentös dagegen vorgegangen werden.

Ausreichend Flüssigkeit zuführen

Da die Neoblase über die Darmwand Flüssigkeit in den Urin abgibt, ist die tägliche Urinmenge bei einer Neoblase erhöht. Diese zusätzliche Flüssigkeit muss in die tägliche Trinkmenge mit eingerechnet werden, um eine Austrocknung (Dehydrierung) zu verhindern. Deshalb sollten Erwachse mit einer Neoblase täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit zuführen. Dazu zählt alles, was Flüssigkeit enthält - Getränke, Suppen, wässriges Obst oder Gemüse.

Christiane Oedekoven

Christiane Oedekoven
PROLIFE homecare GmbH, Kaufungen

Christiane Oedekoven ist examinierte Krankenschwester, Pflegeexpertin für die Bereiche Stoma und Kontinenz. Zudem ist sie zertifizierte Ernährungsexpertin sowie Medizinprodukteberaterin und arbeitet seit über 34 Jahren im Gesundheitswesen – seit 2023 für PROLIFE. Ihr liegt es am Herzen, ihre Kunden mit viel Empathie, Ruhe und Zeit in den Bereichen Stoma, Kontinenz, enterale und parenterale Ernährung zu beraten und sie somit Schritt für Schritt an die für sie optimale Versorgung heranzuführen.