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Stoma: Die wichtigsten Fragen & Antworten

Milou Weske

Milou Weske
Examinierte Krankenschwester & Gesundheitswissenschaftlerin mit Zusatzausbildung
zur Stomatherapeutin, Kontinenzfachkraft sowie Wundassistentin DGfW.

Was ist ein Stoma?

Ein Stoma ist eine operativ geschaffene künstliche Verbindung zwischen einem Hohlorgan und einer Hautöffnung nach außen. Folgende Arten werden unterschieden:

  • Bei einem Enterostoma (auch als künstlicher Darmausgang bezeichnet) wird über einen künstlichen Ausgang Stuhl abgeleitet und in einem Stomabeutel aufgefangen
  • Bei einem Urostoma wird Urin abgeleitet und in einem Stomabeutel aufgefangen.
  • Bei einem Tracheostoma wird die Luftröhre am Hals geöffnet. Dies soll die Atmung ermöglichen oder unterstützen. In das Tracheostoma wird eine Trachealkanüle eingesetzt
  • Bei einem Gastrostoma wird eine Verbindung zwischen Magen und Bauchdecke geschaffen, in die eine Sonde gelegt wird. Der Patient wird hierüber künstlich ernährt

Im Folgenden finden Sie viele wichtige Informationen rund um die verschiedenen Stomaarten, Ursachen eines Stomas, wie ein Stoma angelegt wird, wie es versorgt wird und vor allem wie das Leben von Stomaträgern im Alltag im Hinblick auf Ernährung, Urlaub, Partnerschaft, Hobbies, Schwimmen, usw. aussieht.

Welche Stomaarten gibt es?

Es werden, je nach dem, welches Organ eine Verbindung nach außen erhält, folgende Stomaarten unterschieden:

  • Ein Enterostoma ist ein künstlicher Darmausgang. Abhängig davon, ob es sich dabei um einen künstlichen Ausgang des Dickdarmes (Kolon) oder Dünndarmes (Ileum) handelt, unterscheidet man hier das Colostoma (Dickdarm-Ausgang) und Ileostoma (Dünndarm-Ausgang). Der künstliche Darmausgang wird auch noch als Anus praeter bezeichnet. Dieser Begriff ist heute allerdings nicht mehr so gebräuchlich.
  • Bei einem Urostoma wird der Urin künstlich abgeleitet.
  • Ein Tracheostoma schließlich ist eine künstlich geschaffene Verbindung der Luftröhre nach außen.
Stoma-Arten im Überblick
Stoma-Arten im Überblick

Wann wird ein Stoma angelegt?

Ein Stoma, also eine künstliche Verbindung zwischen einem Hohlorgan und der Außenwelt, wird immer dann angelegt, wenn die Funktionen der betreffenden Organe auf bestimmte Weise gestört sind:

  • Ein Enterostoma kann nötig sein, um nach einer komplizierten Operation am Darm die empfindlichen Darmnähte zu schonen und ihnen genügend Zeit zu geben, um richtig auszuheilen. Nur so ist gewährleistet, dass die Darmpassage später problemlos funktioniert, wenn der künstliche Darmausgang wieder zurückverlegt wurde. Auch schwere Verläufe einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) oder einer Divertikulitis können einen künstlichen Darmausgang notwendig machen. Ebenso können Verletzungen, eine Verengung des Darmvolumens (Stenose), ein Darmdurchbruch oder eine familiäre adenomatöse Polyposis die Anlage eines Stomas erfordern. Die häufigste Ursache für ein Enterostoma ist allerdings Darmkrebs.
  • Ein Urostoma ist notwendig, wenn der normale Weg zur Harnausscheidung gestört ist. Der Grund dafür können angeborene Fehlbildungen, eine Verengung (Stenose) der Harnwege, Nervenschädigungen oder Folgen einer Strahlentherapie sein. Ein Urostoma ist auch erforderlich, wenn die Harnblase aufgrund von Blasenkrebs vollständig entfernt werden musste.
  • Ein Tracheostoma wird angelegt, um die Atmung zu gewährleisten. Das kann temporär in Notsituationen der Fall sein, um den Patienten beatmen zu können oder auch dauerhaft, wenn beispielsweise der Kehlkopf teilweise oder vollständig aufgrund einer Krebserkrankung entfernt werden musste.

Wie wird es angelegt?

Die Anlage eines Stomas erfolgt immer durch einen operativen Eingriff.

  • Alle Enterostoma-Arten haben gemeinsam, dass der Darm mit einer künstlich geschaffenen Öffnung in der Bauchdecke verbunden wird. Über diese Öffnung gelangt der Stuhl in einen speziellen Stomabeutels. Abhängig davon, ob das Enterostoma temporär oder dauerhaft angelegt werden soll, unterscheiden sich die Operationstechniken.
  • Ein Urostoma kann auf unterschiedliche Weise angelegt werden. Sie hängt davon ab, welche Urostoma-Art geeignet ist:
    • Bei der häufigsten Form, dem Conduit, werden die beiden Harnleiter mit einem stillgelegten Stück Darm verbunden. Das eine Ende dieses Darmabschnittes wird verschlossen. Das andere Ende mündet in der Bauchdecke, über die der Harn nach außen in einen Urostomiebeutel abgeleitet wird.
    • Bei einer Harnleiter-Haut-Fistel münden die beiden Harnleiter hingegen direkt in einer künstlich geschaffenen Öffnung in der Bauchdecke. Der kontinuierlich abgeleitete Harn wird auch hier in einem Beutelsystem aufgefangen.
    • Im Gegensatz dazu steht der sogenannte Pouch. Er ist eine Form des Urostomas, bei dem aus Darmanteilen in der Bauchhöhle ein katheterisierbarer Blasenersatz geschaffen wurde.
  • Das Tracheostoma kann, abhängig von der geplanten Verweildauer, unterschiedlich angebracht werden. Ist der Zugang zur Luftröhre nur temporär geplant, beispielsweise zur Beatmung eines Patienten auf der Intensivstation, wird die Luftröhre von außen mit Hilfe einer Hohlnadel punktiert. Anschließend wird diese Öffnung mit Dilatatoren aufgeweitet, bis eine Beatmungskanüle in die Öffnung passt. Soll das Tracheostoma dauerhaft angelegt werden, wird die Luftröhre in einer Operation freigelegt, eröffnet und ein Trachealtubus wird eingelegt. Diese Form des Tracheostomas ist größer und stabiler als die erste Variante.

Wie wird ein Stoma versorgt?

Durch die Anlage eines Entero- oder Urostomas geht die Kontinenz verloren. Kontinenz ist die Fähigkeit, bewusst zu kontrollieren, wann Stuhl oder Urin ausgeschieden werden. Mithilfe einer modernen Stomaversorgung können Stuhl und Urin jedoch aufgefangen werden. Mittel zum Zweck sind sogenannte Stomabeutels: Diese bestehen aus einem Hautschutz, der die Bauchhaut vor den hautreizenden Bestandteilen der Ausscheidungen schützt, und aus einem geruchsdichten Beutel, in dem Stuhl oder Urin gesammelt werden, bis er in die Toilette entsorgt werden kann.

Stomabeutel-Systeme im Überblick
Stomabeutel-Systeme im Überblick

Gerade die das Stoma umgebende Haut wird sehr strapaziert. Um Stomakomplikationen zu vermeiden, muss das Stoma aufmerksam beobachtet und sorgfältig gepflegt werden. Mit einer gewissenhaften Stomahygiene können Hautirritationen und -infektionen vermieden werden. Auch allergische Reaktionen auf Pflegeprodukte oder auf Bestandteile der Stomaversorgung werden so frühzeitig erkannt.

Wie wird ein Stoma versorgt?

Kurzüberblick Stomabeutel

Mit Milou, PROLIFE Stomatherapeutin

  • Welche Stomabeutel gibt es am Markt?
  • Wo sind die Unterschiede?
  • Was sind Vor- und Nachteile?

Wie sieht das Leben mit Stoma aus?

Für die meisten ist es zuerst ein Schock, wenn sie erfahren, dass bei ihnen ein Stoma angelegt werden muss. Doch die Betroffenen werden nicht alleingelassen. Der behandelnde Arzt wird ihnen ausführlich erklären, wie der Eingriff verlaufen und was danach auf sie zukommen wird. Nach der Operation stehen den Patienten Stomatherapeuten zur Seite. Sie helfen dabei, die geeignete Stomaversorgung zu finden und den Umgang damit zu trainieren. Außerdem haben sie viele hilfreiche Tipps für alle Lebenslagen, in denen man erst lernen muss, mit dem Stoma umzugehen. Ob Urlaub mit Strand und Wasser, Sport oder Beruf – auf die Betroffenen kommen einige Herausforderungen zu, die sie aber mit kompetenter Beratung meistern und trotz Stoma wieder ein normales, unbeschwertes Leben führen können. Auch der Austausch mit anderen Stomaträgern kann helfen, die ein oder andere Hürde zu überwinden. Über die Deutsche ILCO e.V. (Ileostomie-Kolostomie-Urostomie-Vereinigung) kann man Selbsthilfegruppen in der Nähe finden und Kontakt zu Menschen suchen, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden.

Häufige Fragen und Antworten

Wie sollte ich mich mit einem Stoma ernähren?

Auch mit einem Stoma kann man genauso gut essen und genießen. Es gibt keine grundsätzlichen Ernährungsregeln oder Einschränkungen – schon gar nicht für alle gültige. Vielmehr können Stomaträger all das essen, was Ihnen bekommt. Dabei muss jeder selbst herausfinden, welche Speisen er verträgt und was ihm nicht bekommt. Es empfiehlt sich, sich schrittweise und mit zunächst kleineren Portionen an sein persönliches Optimum heranzutasten. Ein Ernährungsbuch kann bei der Beobachtung eine sinnvolle Unterstützung sein: Hier wird einfach festgehalten, was man zu sich genommen hat, und ob dies verträglich war oder für Probleme (Blähungen, Durchfall, usw.) gesorgt hat. Selbst wenn jedoch eine Speise mal nicht bekömmlich war, muß diese nicht für immer gemieden werden. Vielmehr gewöhnt sich die Verdauung – gerade nach einer Operation – erst an die neue Situation. Deswegen mag es sein, man genau diese Speise wiederum beim erneuten Probieren besser verträgt.

Folgende Hinweise sind speziell für Träger eines Ileostomas wichtig:
Bei einem Ileostoma gibt es keine spezielle Diät. Es ist jedoch darauf zu achten, dass ausreichend Flüssigkeit und Salz (Natrium) zu sich genommen wird. Wird weniger Wasser getrunken, wird hierdurch keine Stuhleindickung erreicht, sondern lediglich der ausgeschiedene Urin reduziert. Speisen, die wiederholt zu Durchfall führen, sollten vermieden werden.

Auch bei einem Colostoma gibt es keine gesonderte Diät. Alle Speisen und Getränke können grundsätzlich konsumiert werden, es sei denn sie sorgen wiederholt für Verstopfung, Durchfall, Blähungen. Im Unterschied zum Ileostoma muss hier nicht gesondert auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

Kann ich meinen Beruf wieder ausüben? Welche Berufe sind nicht sinnvoll?

Für viele Stomaträger ist der Wiedereinstieg in den Beruf ein wichtiger Meilenstein hin zu mehr Normalität und Selbstbewusstsein. Auch mit Stoma kann man – nach ausreichender Erholung und Genesung von der Operation - fast alle Tätigkeiten ausüben, die man auch vorher ausgeübt hat. Lediglich körperlich schwere Arbeit (z.B. Heben und Tragen großer Gewichte) kann Gefahren für das Stoma bedeuten, zum Beispiel im ungünstigen Fall zu einem Stomabruch führen. Dies liegt daran, dass die Bauchdecke durch den Bauchschnitt und die Stomaanlage beeinträchtigt ist. Im Zweifel sollte im Vorfeld mit einem Arzt gesprochen werden.

Viele Stomaträger informieren ihren Vorgesetzten und Kollegen, um Verständnis für Ihre Situation zu schaffen, und machen damit oft positive Erfahrungen. Wie offen man mit seiner Situation umgeht, kann aber natürlich letztlich nur jeder für sich selbst entscheiden.

Was muss man beim Duschen, Baden, Schwimmen beachten?

Duschen und Baden sind problemlos mit Stomaversorgung möglich, da die modernen Stomabeutel sicher haften. Besonders Ileostomieträger bevorzugen das wegen der Gefahr plötzlich einsetzender Entleerungen. Vor dem Duschen bzw. Baden sollte man jedoch den Filter des Stomabeutels abzukleben, um zu verhindern, dass er nass und undurchlässig wird. Nach Verlassen der Dusche oder Badewanne sollte der Abkleber wieder entfernt werden. Während einer ausscheidungsfreien Zeit können Duschen und Baden natürlich auch ohne Versorgung erfolgen. Wasser und ph-neutrale Seife tun der peristomalen Haut gut.

Auch in Schwimmbädern, Meer und Seen können Stomaträger mit dem normalen Stomabeutel natürlich schwimmen. Auch hier sollte der Filter abgeklebt werden. Es gibt vielfältige Modeangebote für Frauen und Männer, die die Stomaversorgung kaschieren möchten. Auch können kleine und diskrete Stomakappen oder Minibeutel getragen werden, wenn eine möglichst ausscheidungsfreie Zeit für das Schwimmen gewählt wird.

Kann ich als Stomaträger in die Sauna gehen?

Natürlich kann man auch als Stomaträger in die Sauna gehen. Die Stomaversorgung kann mit einem um die Hüfte gebundenen Handtuch verdeckt werden, wenn Sie nicht möchten, dass jemand diese sieht. Viele Stomaträger nutzen auch Stomakappen oder Minibeutel.

Hinsichtlich der Haftung der Stomaversorgung müssen Sie keine Bedenken haben: Die Basisplatten haften trotz der hohen Temperaturen und des Schwitzens

Milou Weske

Milou Weske
PROLIFE homecare

Milou Weske ist examinierte Krankenschwester und Gesundheitswissenschaftlerin mit einer Zusatzausbildung zur Stomatherapeutin, Kontinenzfachkraft, sowie Wundassistentin DGfW. Seit 1997 berät, versorgt und betreut sie Stomaträgerinnen und Stomaträger.