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Stoma

Milou Weske

Milou Weske
Stoma-Expertin, Kontinenzfachkraft
Examinierte Krankenschwester
Gesundheitswissenschaftlerin mit Zusatzausbildung zur Stomatherapeutin
Wundassistentin DGfW

Was ist ein Stoma?

Ein Stoma ist eine operativ geschaffene künstliche Verbindung zwischen einem Hohlorgan und einer Hautöffnung nach außen. Folgende Arten werden unterschieden:

  • Bei einem Enterostoma (auch als künstlicher Darmausgang bezeichnet) wird über einen künstlichen Ausgang Stuhl abgeleitet und in einem Stomabeutel aufgefangen.
  • Bei einem Urostoma wird Urin abgeleitet und in einem Stomabeutel aufgefangen.
  • Bei einem Tracheostoma wird die Luftröhre am Hals geöffnet. Dies soll die Atmung ermöglichen oder unterstützen. In das Tracheostoma wird eine Trachealkanüle eingesetzt.
  • Bei einem Gastrostoma wird eine Verbindung zwischen Magen und Bauchdecke geschaffen, in die eine Sonde gelegt wird. Der Patient wird hierüber künstlich ernährt.

Im Folgenden finden Sie viele wichtige Informationen rund um die verschiedenen Stomata, Ursachen eines Stomas, wie ein Stoma angelegt wird, wie es versorgt wird und vor allem wie das Leben von Stomaträgern im Alltag im Hinblick auf Ernährung, Urlaub, Partnerschaft, Hobbies, Schwimmen, usw. aussieht.

Welche Stomaarten gibt es?

Es werden, je nach dem, welches Organ eine Verbindung nach außen erhält, folgende Stomaarten unterschieden:

  • Ein Enterostoma ist ein künstlicher Darmausgang. Abhängig davon, ob es sich dabei um einen künstlichen Ausgang des Dickdarmes (Kolon) oder Dünndarmes (Ileum) handelt, unterscheidet man hier das Colostoma (Dickdarm-Ausgang) und Ileostoma (Dünndarm-Ausgang). Der künstliche Darmausgang wird auch noch als Anus praeter bezeichnet. Dieser Begriff ist heute allerdings nicht mehr so gebräuchlich.
  • Bei einem Urostoma wird der Urin künstlich abgeleitet.
  • Ein Tracheostoma schließlich ist eine künstlich geschaffene Verbindung der Luftröhre nach außen.
Stoma-Arten im Überblick
Stoma-Arten im Überblick

Bei künstlichen Darmausgängen findet darüber eine Unterscheidung in ein endständiges Stoma und ein doppelläufiges Stoma statt.

Das endständige Stoma hat nur eine künstliche Darmöffnung zur Bauchdecke und stellt den Ausgang für das Ende des aktiven Verdauungstraktes dar. Über diese Stomaöffnung wird nun der Stuhl ausgeschieden und in einem Stomabeutel aufgefangen. Der restliche Darmteil wird meistens entfernt. Ein endständiges Stoma wird meist dann angelegt, wenn das Stoma dauerhaft sein soll.

Ein doppelläufiges Stoma hat im Unterschied zum endständigen Stoma zwei Stomaöffnungen. Die eine Stomaöffnung ist das Ende des zuführenden Darmabschnitts. Aus dieser entleert sich der Stuhl. Die andere Stomaöffnung ist das Ende des abführenden, nicht benutzten Darmteils und ist mit dem Darmausgang verbunden. Ein doppelläufiges Stoma wird meist dann angelegt, wenn es sich um ein temporäres Stoma handelt, das später wieder zurückverlegt werden soll. Dann werden beide Darmenden wieder miteinander vernäht und eine normale Darmpassage ist möglich.

Eine Rückverlegung des Stomas kann stattfinden, wenn der Schließmuskel erhalten bleibt und seine Funktion weiterhin ausführen kann, der Darmabschnitt verheilt ist und die Antitumortherapien abgeschlossen sind.

Wann wird ein Stoma angelegt?

Ein Stoma, also eine künstliche Verbindung zwischen einem Hohlorgan und der Außenwelt, wird immer dann angelegt, wenn die Funktionen der betreffenden Organe auf bestimmte Weise gestört sind:

  • Ein Enterostoma kann nötig sein, um nach einer komplizierten Operation am Darm die empfindlichen Darmnähte zu schonen und ihnen genügend Zeit zu geben, um richtig auszuheilen. Nur so ist gewährleistet, dass die Darmpassage später problemlos funktioniert, wenn der künstliche Darmausgang wieder zurückverlegt wurde. Auch schwere Verläufe einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) oder einer Divertikulitis können einen künstlichen Darmausgang notwendig machen. Ebenso können Verletzungen, eine Verengung des Darmvolumens (Stenose), ein Darmdurchbruch oder eine familiäre adenomatöse Polyposis die Anlage eines Stomas erfordern. Die häufigste Ursache für ein Enterostoma ist allerdings Darmkrebs.
  • Ein Urostoma ist notwendig, wenn der normale Weg zur Harnausscheidung gestört ist. Der Grund dafür können angeborene Fehlbildungen, eine Verengung (Stenose) der Harnwege, Nervenschädigungen oder Folgen einer Strahlentherapie sein. Ein Urostoma ist auch erforderlich, wenn die Harnblase aufgrund von Blasenkrebs vollständig entfernt werden musste.
  • Ein Tracheostoma wird angelegt, um die Atmung zu gewährleisten. Das kann temporär in Notsituationen der Fall sein, um den Patienten beatmen zu können oder auch dauerhaft, wenn beispielsweise der Kehlkopf teilweise oder vollständig aufgrund einer Krebserkrankung entfernt werden musste.

Wie wird es angelegt?

Die Anlage eines Stomas erfolgt immer durch einen operativen Eingriff.

  • Alle Enterostoma-Arten haben gemeinsam, dass der Darm mit einer künstlich geschaffenen Öffnung in der Bauchdecke verbunden wird. Über diese Öffnung gelangt der Stuhl in einen speziellen Stomabeutel. Abhängig davon, ob das Enterostoma temporär oder dauerhaft angelegt werden soll, unterscheiden sich die Operationstechniken.
  • Ein Urostoma kann auf unterschiedliche Weise angelegt werden. Sie hängt davon ab, welche Urostoma-Art geeignet ist:
    • Bei der häufigsten Form, dem Conduit, werden die beiden Harnleiter mit einem stillgelegten Stück Darm verbunden. Das eine Ende dieses Darmabschnittes wird verschlossen. Das andere Ende mündet in der Bauchdecke, über die der Harn nach außen in einen Urostomiebeutel abgeleitet wird.
    • Bei einer Harnleiter-Haut-Fistel münden die beiden Harnleiter hingegen direkt in einer künstlich geschaffenen Öffnung in der Bauchdecke. Der kontinuierlich abgeleitete Harn wird auch hier in einem Beutelsystem aufgefangen.
    • Im Gegensatz dazu steht der sogenannte Pouch. Er ist eine Form des Urostomas, bei dem aus Darmanteilen in der Bauchhöhle ein katheterisierbarer Blasenersatz geschaffen wurde.
  • Das Tracheostoma kann, abhängig von der geplanten Verweildauer, unterschiedlich angebracht werden. Ist der Zugang zur Luftröhre nur temporär geplant, beispielsweise zur Beatmung eines Patienten auf der Intensivstation, wird die Luftröhre von außen mit Hilfe einer Hohlnadel punktiert. Anschließend wird diese Öffnung mit Dilatatoren aufgeweitet, bis eine Beatmungskanüle in die Öffnung passt. Soll das Tracheostoma dauerhaft angelegt werden, wird die Luftröhre in einer Operation freigelegt, eröffnet und ein Trachealtubus wird eingelegt. Diese Form des Tracheostomas ist größer und stabiler als die erste Variante.

Wie wird ein Stoma versorgt?

Die Anlage eines künstlichen Darmausgangs oder Urostomas ist mit Inkontinenz verbunden, da der Stomaträger nicht mehr bewusst und kontrolliert steuern kann, wann Stuhl oder Urin ausgeschieden werden. Mithilfe einer modernen Stomaversorgung können Stuhl und Urin jedoch aufgefangen werden. Mittel zum Zweck sind sogenannte Stomabeutel: Diese bestehen aus einem Hautschutz, der die Bauchhaut vor den hautreizenden Bestandteilen der Ausscheidungen schützt, und aus einem geruchsdichten Beutel, in dem Stuhl oder Urin gesammelt werden, bis er in die Toilette entsorgt werden kann.

Der Stomabeutel sollte gewechselt werden, wenn er maximal bis zur Hälfte gefüllt ist und sobald die Haftung nicht mehr garantiert ist. Je nach Stomasystem (ein- oder zweiteilig) wird Erfahrungen zufolge ein einteiliges System ein bis drei Mal pro Tag gewechselt, wohingegen beim zweiteiligen System die Platte eine mehrtägige Nutzungsdauer haben kann.

Stomabeutel-Systeme im Überblick
Stomabeutel-Systeme im Überblick

Wie wird ein Stoma versorgt?

Kurzüberblick Stomabeutel

Mit Milou, PROLIFE Stomatherapeutin

  • Welche Stomabeutel gibt es am Markt?
  • Wo sind die Unterschiede?
  • Was sind Vor- und Nachteile?

Gerade die das Stoma umgebende Haut wird sehr strapaziert. Um Stomakomplikationen zu vermeiden, muss das Stoma aufmerksam beobachtet und sorgfältig gepflegt werden. Mit einer gewissenhaften Stomahygiene können Hautirritationen und -infektionen vermieden werden. Auch allergische Reaktionen auf Pflegeprodukte oder auf Bestandteile der Stomaversorgung werden so frühzeitig erkannt.

Häufige Komplikationen sind auch ein Stomabruch und eine Stomaverstopfung:

Bei einem Stomabruch (parastomale Hernie) handelt es sich um einen durch Überbelastung entstandenen Bauchwandbruch in der Umgebung des Stomas. Zu erkennen ist sie an einer beulenartigen Ausdehnung des Bauchraumes neben dem Stoma. Am größten ist die Gefahr im ersten Jahr nach der Stoma-OP, aber auch in der Zeit danach erhöhen folgende Faktoren das Risiko einer Hernie: das Tragen zu schwerer Gewichte, Übergewicht, Unterernährung, Alter, regelmäßige Cortisoneinnahme und nach der Operation entstandene Wunden. Wenn der Darm im Bruch eingeklemmt wird und die Gefahr eines Darmverschlusses besteht, muss eine Operation durchgeführt werden. Dabei wird ein Netz zur Stärkung der Bauchdecke eingefügt. Eine konservative Behandlungs- und Vorbeugungsmethode ist das Tragen einer Leibbinde.

Eine Stomaverstopfung zeigt sich dadurch, dass der Stuhl in zu harter oder zu geringer Konsistenz ausgeschieden wird und es dadurch zu langen ausscheidungsfreien Zeiträumen kommt (gefährlich wird es, wenn 2-3 Tage kein Stuhlgang erfolgt). Kolikartige Schmerzen sind ein Warnsignal für eine Darmblockade. In diesem Fall sollte schnellstmöglich operiert werden. Sollte der Stuhl längerfristig ausbleiben, kann man Folgendes versuchen: die Ernährung umstellen und faserhaltige Lebensmittel vermeiden, mehr trinken, eine Irrigation durchführen und notfalls zu Abführmitteln greifen.

Wie sieht das Leben mit Stoma aus?

Für die meisten ist es zuerst ein Schock, wenn sie erfahren, dass bei ihnen ein Stoma angelegt werden muss. Doch die Betroffenen werden nicht alleingelassen. Der behandelnde Arzt wird ihnen ausführlich erklären, wie der Eingriff verlaufen und was danach auf sie zukommen wird. Nach der Operation stehen den Patienten Stomatherapeuten zur Seite. Sie helfen dabei, die geeignete Stomaversorgung zu finden und den Umgang damit zu trainieren. Außerdem haben sie viele hilfreiche Tipps für alle Lebenslagen, in denen man erst lernen muss, mit dem Stoma umzugehen. Ob Urlaub mit Strand und Wasser, Sport oder Beruf – auf die Betroffenen kommen einige Herausforderungen zu, die sie aber mit kompetenter Beratung meistern und trotz Stoma wieder ein normales, unbeschwertes Leben mit hoher Lebensqualität führen können. Auch der Austausch mit anderen Stomaträgern kann helfen, die ein oder andere Hürde zu überwinden. Über die Deutsche ILCO e.V. (Ileostomie-Kolostomie-Urostomie-Vereinigung) kann man Selbsthilfegruppen in der Nähe finden und Kontakt zu Menschen suchen, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden.

Behindertenausweis und Pflegegrad mit Stoma?

Menschen mit einem Stoma haben Anspruch auf einen Grad der Behinderung (GdB). Die Betroffenen können zusätzlich zu einem Pflegegrad einen Antrag für einen Schwerbehindertenausweis stellen, um den Grad der Behinderung feststellen zu lassen. Stomaträger werden – unabhängig von einer Krebserkrankung – meist zwischen 50 und 70 eingestuft und sind somit berechtigt für einen Schwerbehindertenausweis. Zur Bestimmung des Grades der Behinderung wird berücksichtigt, in welchem Maß die Leistung durch die Grunderkrankung eingeschränkt ist. Daneben ist es beim Ausfüllen des Antrags wichtig, alle eventuellen weiteren Beeinträchtigungen aufzuführen, bestenfalls bestätigt durch einen ärztlichen Befundbericht. Der Antrag sollte möglichst früh nach der Stoma-OP gestellt werden, weil es hier zu längeren Bearbeitungszeiten kommen kann.

Nicht jeder Stomaträger (mit Enterostoma oder mit künstlichem Blasenausgang) hat automatisch Anspruch auf einen Pflegegrad. Zur Festlegung eines Pflegegrades kommt es darauf an, wie viel Unterstützung man im Alltag benötigt. Besteht für länger als sechs Monate Hilfe- und Unterstützungsbedarf, ist die Grundvoraussetzung erfüllt, einen Pflegegrad beantragen zu können.

Milou Weske

Milou Weske
PROLIFE homecare GmbH, Kaufungen

Milou Weske ist examinierte Krankenschwester und Gesundheitswissenschaftlerin mit einer Zusatzausbildung zur Stomatherapeutin, Kontinenzfachkraft, sowie Wundassistentin DGfW. Seit 1997 berät, versorgt und betreut sie Stomaträgerinnen und Stomaträger.


Häufige Fragen und Antworten

Wie sollte ich mich mit einem Stoma ernähren?

Auch mit einem Stoma kann man genauso gut essen und genießen. Es gibt keine grundsätzlichen Ernährungsregeln oder allgemeingültige Einschränkungen. Vielmehr können Stomaträger all das essen, was ihnen bekommt. Dabei muss jeder selbst herausfinden, welche Speisen er verträgt und welche nicht. Es empfiehlt sich, sich schrittweise und mit zunächst kleineren Portionen an sein persönliches Optimum heranzutasten. Ein Ernährungsbuch kann bei der Beobachtung eine sinnvolle Unterstützung sein: Hier wird einfach festgehalten, was man zu sich genommen hat, und ob dies verträglich war oder für Probleme (Blähungen, Durchfall, usw.) gesorgt hat. Selbst wenn jedoch eine Speise mal nicht bekömmlich war, muss diese nicht für immer gemieden werden. Vielmehr gewöhnt sich die Verdauung – gerade nach einer Operation – erst an die neue Situation. Deswegen mag es sein, dass man genau diese Speise wiederum beim erneuten Probieren besser verträgt.

  • Bei einem Ileostoma ist darauf zu achten, dass ausreichend Flüssigkeit und Salz (Natrium) zu sich genommen wird. Wird weniger Wasser getrunken, wird hierdurch keine Stuhleindickung erreicht, sondern lediglich der ausgeschiedene Urin reduziert. Speisen, die wiederholt zu wässrigem Stuhlgang bzw. Durchfall führen, sollten vermieden werden.

  • Bei einem Colostoma sollten Lebensmittel, die wiederholt zu Verstopfung führen, aus dem Speiseplan gestrichen werden.

Kann ich meinen Beruf wieder ausüben? Welche Berufe sind nicht sinnvoll?

Für viele Stomaträger ist der Wiedereinstieg in den Beruf ein wichtiger Meilenstein hin zu mehr Normalität und Selbstbewusstsein. Auch mit Stoma kann man – nach ausreichender Erholung und Genesung von der Operation – fast alle Tätigkeiten ausüben, die man auch vorher ausgeübt hat. Lediglich körperlich schwere Arbeit (z.B. Heben und Tragen großer Gewichte) kann Gefahren für das Stoma bedeuten, zum Beispiel im ungünstigen Fall zu einem Stomabruch führen. Dies liegt daran, dass die Bauchdecke durch den Bauchschnitt und die Stomaanlage beeinträchtigt ist. Im Zweifel sollte im Vorfeld mit einem Arzt gesprochen werden.
Viele Stomaträger informieren ihren Vorgesetzten und Kollegen, um Verständnis für Ihre Situation zu schaffen, und machen damit oft positive Erfahrungen. Wie offen man mit seiner Situation umgeht, kann aber natürlich letztlich nur jeder für sich selbst entscheiden.

Was muss ich beim Duschen, Baden, Schwimmen beachten?

Duschen und Baden sind problemlos mit Stomaversorgung möglich, da die modernen Stomabeutel sicher haften. Besonders Ileostomieträger bevorzugen das wegen der Gefahr plötzlich einsetzender Entleerungen. Vor dem Duschen bzw. Baden sollte man jedoch den Filter des Stomabeutels abkleben, um zu verhindern, dass er nass und undurchlässig wird. Nach Verlassen der Dusche oder Badewanne sollte der Abkleber wieder entfernt werden. Während einer ausscheidungsfreien Zeit können Duschen und Baden natürlich auch ohne Versorgung erfolgen. Wasser und pH-neutrale Seife tun der peristomalen Haut gut.
Auch in Schwimmbädern, Meer und Seen können Stomaträger mit dem normalen Stomabeutel natürlich schwimmen. Auch hier sollte der Filter abgeklebt werden. Es gibt vielfältige Modeangebote für Frauen und Männer, die die Stomaversorgung kaschieren möchten. Auch können kleine und diskrete Stomakappen oder Minibeutel getragen werden, wenn eine möglichst ausscheidungsfreie Zeit für das Schwimmen gewählt wird.

Kann ich als Stomaträger in die Sauna gehen?

Natürlich kann man auch als Stomaträger in die Sauna gehen. Die Stomaversorgung kann mit einem um die Hüfte gebundenen Handtuch verdeckt werden, wenn Sie nicht möchten, dass jemand diese sieht. Viele Stomaträger nutzen auch Stomakappen oder Minibeutel.
Hinsichtlich der Haftung der Stomaversorgung müssen Sie keine Bedenken haben: Die Basisplatten haften trotz der hohen Temperaturen und des Schwitzens.

Wie sehen Partnerschaft und Sexualität mit Stoma aus?

Für viele Patienten scheint es unmittelbar nach der Operation unvorstellbar, das Stoma in die Beziehung zu ihrem Partner zu integrieren oder eine neue Partnerschaft einzugehen. Vielmehr nehmen sie das Stoma zunächst als Fremdkörper wahr, der das eigene Attraktivitätsempfinden und jegliche Sexualität zunichte macht. Dabei hängt ein erfülltes Sexualleben nicht vom Stoma an sich ab, sondern von der inneren Einstellung zum Körper. Das gilt für jede Beziehung, nicht nur für Stomaträger. Sich in der Genesungsphase und auch darüber hinaus viel Zeit für sich zu nehmen, ermöglicht es, das Selbstvertrauen wieder aufzubauen. Ebenso wichtig für eine funktionierende, intime Beziehung ist das Vertrauen zum Partner, das gestärkt werden kann, indem man offen über seine Empfindungen und Bedenken spricht. Je mehr sich der Partner über das Stoma informiert, desto eher werden Vorurteile und Barrieren abgebaut. Viele Paare gehen auf diese Weise noch verbundener aus der schwierigen Situation hervor, die sie gemeinsam gemeistert haben.
Bei Morbus-Crohn-Patienten beispielsweise ist es häufig sogar so, dass durch das Anlegen eines Stomas die Lebensqualität und somit auch das sexuelle Empfinden nach einem langen Leidensweg signifikant verbessert werden kann.

Praktische Tipps:

  • den Partner möglichst früh für das Stoma sensibilisieren, z.B. indem er ihn das Stoma

  • bei beidseitigem Einverständnis berühren lässt

  • sensible Themen mit Humor ansprechen

  • Verwendung von Gleitcreme bei Schmerzen und Trockenheit in der Scheide (z.B. nach einer Mastdarmresektion)

  • bei Impotenz durch Urostomie kann ein Erektionshilfesystem (Vakuumpumpe) zum Einsatz kommen

  • Stomabeutel vorher entleeren

  • Beutelabdeckung, Stomagürtel und/oder Stomaunterwäsche tragen

  • verschiedene Stellungen ausprobieren

Kann ich mit Stoma Sport machen?

Ein Stoma ist kein Hinderungsgrund für sportliche Aktivitäten. Es gibt zwar bestimmte Faktoren, die die sportliche Betätigung einschränken können, wie z.B. die Nachwirkungen einer Krebsbehandlung, die Angst vor Verletzungen und das Fehlen entsprechender sanitärer Anlagen vor Ort, doch grundsätzlich ist sogar Ausdauersport möglich.
Je nach Stomaart sollten Urostomaträger vor allem darauf achten, während des Sports viel zu trinken, und Enterostomaträgern wird geraten, in der ersten Zeit eine Korsage zu tragen, um das Muskelgewebe im Bauchraum zu stabilisieren.
Vermieden werden sollten hingegen Kampf- und Mannschaftssportarten, bei denen es zu intensivem Körperkontakt kommt und zu hoher Druck auf den Bauchraum ausgeübt wird (z.B. beim Gewichte heben).
Generell sollte direkt nach der Operation vorerst für etwa sechs Wochen auf Sport verzichtet werden, um Komplikationen wie Hernien zu vermeiden und den Heilungsprozess nicht zu stören. Nach einer Beratung durch den Stomatherapeuten oder durch einen erfahrenen Personal-Trainer kann mit dem Training begonnen und die Kondition langsam gesteigert werden.

Wie lange dauert eine Stoma-OP und wie lange bleibe ich danach im Krankenhaus?

Die Dauer einer Stoma-OP hängt von der Dicke der Bauchdecke und der Beschaffenheit der Muskeln der Patienten und somit vom jeweiligen Körperbau ab. Die Operation dauert in etwa 30 bis 60 Minuten und wird in der Regel im Anschluss an eine größere Operation (z.B. Entfernung von Teilen des Darms oder Tumorgewebe) durchgeführt. Einen Tag vor der Stoma-Legung wird die künftige Position des Stomas markiert (Stomamarkierung), und kurz vor der Operation werden eine Darmreinigung und eine Rasur durchgeführt.
Der Krankenhausaufenthalt nach der Operation beläuft sich im Normalfall auf ca. 10 bis 14 Tage.

Wie lange dauert die Genesung nach einer Stoma-OP? Wie lange bin ich arbeitsunfähig?

Der Genesungsprozess ist bei jedem Patienten so individuell wie seine Krankengeschichte.  Bei den meisten dauert es ein paar Wochen, bis sich die Darmfunktion wieder reguliert und die Schwellung von der Operation abklingt. Nach einer Woche werden die Fäden durch den Stoma-Therapeuten gezogen, und für die darauffolgenden sechs Wochen sollte die Bauchdecke geschont werden.
Es kann vorkommen, dass sowohl der Mastdarm als auch der After bei der Operation entfernt werden muss. Auch hierbei ist es unterschiedlich, wie lange die Heilung dauert – man geht von zwei Wochen bis zu einem Jahr aus.
Um den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern, ist es sinnvoll, eine Reha-Maßnahme zu beantragen und daran eine stufenweise Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag anzuschließen. Nicht zu vergessen sind neben der körperlichen Genesung die psychischen Auswirkungen der Operation.

Welche Fachärzte sind für ein Stoma zuständig?

Die Legung und Rückverlegung eines Stomas führen meistens Spezialisten der Inneren Medizin in Darmkrebszentren oder viszeralonkologischen Kliniken durch, aber auch Gastroenterologen sind spezialisiert auf Erkrankungen des Verdauungstraktes, sowie Coloproktologen, welche für Erkrankungen des Dick- und Enddarms und des Beckenbodens zuständig sind.
Bei der Legung eines Urostomas sind oftmals Urologen oder Uro-Onkologen die behandelnden Ärzte und Ansprechpartner.
In onkologischen Spezialkliniken findet in der Regel ein interdisziplinärer Austausch verschiedenster Fachrichtungen statt, um die bestmögliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten.

Wie oft sollte der Stomabeutel gewechselt werden?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Der Wechsel des Stomabeutels ergibt sich primär durch seinen Füllungsgrad. Demnach sollte der geschlossene Beutel gewechselt werden, wenn er zu einem Viertel bis maximal zur Hälfte gefüllt ist. Der Füllungsgrad hängt wiederum mit dem individuellen Verdauungsrhythmus zusammen. Während Colostomaträger die ausscheidungsfreien Phasen nutzen können, um den Beutel zu wechseln, erfolgt beim Ileo- und Urostoma eine kontinuierliche flüssige Ausscheidung. Hierbei sollte der Beutel dringend gewechselt werden, sobald die Haftung nicht mehr sicher ist. Bei einem Ileostoma hat sich der Beutelwechsel vor den Mahlzeiten bewährt, bei einem Urostoma hingegen unmittelbar nach dem Aufstehen. Der Takt des Beutelwechsels bei einem Urostoma steht zudem in Abhängigkeit zur persönlichen Anfälligkeit für Harnwegsinfekte und der zugeführten Flüssigkeitsmenge.

Darüber hinaus kommt es darauf an, ob ein ein- oder zweiteiliges Stomasystem verwendet wird: Beim einteiligen System erfolgt ein Wechsel erfahrungsgemäß ein bis drei Mal am Tag und je nach individuellem Bedürfnis nach Hygiene, beim zweiteiligen System können Beutel und Basisplatte unabhängig voneinander ausgetauscht werden, sodass der Beutel meist täglich erneuert wird, die Platte ca. alle drei Tage, spätestens jedoch bei verminderter Haftung an der Haut.

Kann das Stoma ohne Stomabeutel bleiben?

Durch das Verfahren der sogenannten Irrigation (Darmspülung) kann ein längerer ausscheidungsfreier Zeitraum von ungefähr 24 bis 48 Stunden geschaffen werden, in dem man auf einen Stomabeutel verzichten kann. Ziel der Irrigation ist es, den Verdauungstrakt anzuregen und den Kot für einen schnelleren Abtransport zu verflüssigen. Zu beachten ist hierbei, dass dieses Verfahren nicht für diejenigen Stomaarten geeignet ist, bei denen der Stuhl in flüssiger oder breiiger Konsistenz ausgeschieden wird (bei Ileostomie und Transversum-Colostomie) und ist ebenfalls nicht bei Komplikationen wie Hernien und Siphonbildung zu empfehlen.
Gut geeignet für die regelmäßige Durchführung der Irrigation ist hingegen die Colostomie, bei der der Stuhl in fester Form gebildet wird. Je regelmäßiger das Verfahren angewendet wird (am besten morgens), desto mehr lässt sich der Darm trainieren. Jeder Betroffene sollte für sich selbst abwägen, ob das Verfahren infrage kommt. Gegen diese Anwendung spricht im Wesentlichen der hohe Zeitaufwand, eine kompliziertere Handhabung, die Routine erfordert und erst nach ärztlicher Beratung durchgeführt werden darf, und nicht zu vergessen der große Aufwand bei Reisen. Ein klarer Vorteil ist allerdings in der verbesserten Lebensqualität zu sehen.

Nachdem die Irrigation durchgeführt wurde, genügt in der Regel eine Stomakappe zur Abdeckung. Auch beim Schwimmen kann eine Kappe ausreichen, und unter Umständen ist das Duschen auch ganz ohne Abdeckung möglich.

Welche Selbsthilfegruppen gibt es für Stomaträger?

Inzwischen gibt es vielfältige Selbsthilfeangebote für Betroffene. Wer sich genauer zum Thema Krebs informieren möchte, findet bei der Deutschen Krebsgesellschaft, auf www.onkozert.de (unabhängiges, im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft agierendes Institut, welches das Zertifizierungssystem zur Überprüfung von Organkrebszentren und Onkologischen Zentren betreut) und der Deutschen Krebshilfe e.V. wichtige Informationen.
Qualifizierte Ansprechpartner und Gleichgesinnte finden Stomaträger insbesondere bei der Deutschen ILCO e.V. und dem dazugehörigen Internetauftritt mit Forum (www.ilco.de/forum), bei Selbsthilfe Stoma-Welt e.V. sowie www.stoma-welt.de, auf www.stoma-na-und.de, im Forum zur Inkontinenz-Selbsthilfe (www.inkontinenz-selbsthilfe.com/forum), bei der Deutschen Kontinenzgesellschaft, der FgSKW (= Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz, Wunde – dem Berufsverband der Stomatherapeuten) und beim BeuteltierNetzwerk e.V.
Außerdem gibt es den Berufsverband der Coloproktologen Deutschland e.V. (BCD) und die Deutsche Morbus Crohn/Colitis Ulcerosa Vereinigung (DCCV e.V.).

Welche Schlafposition sollte ich mit einem Stoma einnehmen?

Es gibt nicht die eine, richtige Schlafposition. Viele Betroffene haben unmittelbar nach der Operation Angst, sich auf die Seite zu legen, oder sind aufgrund von Schmerzen in ihrer Schlaflage eingeschränkt. Mit der Zeit kommt aber wieder mehr Dynamik in die Bewegungen während des Schlafes. Hier gilt es, einfach auszuprobieren, in welchen Positionen man am besten und/oder sichersten schlafen kann. Ggf. kann man auch einen Stomagürtel zur Stabilisierung tragen.
Wenn der Beutel nachts immer voller und schwerer wird, sollte man lieber über die Seite aufstehen, denn aus der Rückenlage hochzukommen würde zu viel Druck auf den Bauchraum ausüben und die Gefahr erhöhen, dass der Beutel auf geht.

Kann ich trotz Stoma schwanger werden?

Was im ersten Moment unvorstellbar erscheinen mag, ist grundsätzlich doch möglich. Eine Schwangerschaft mit einem Stoma führt nicht automatisch zu Komplikationen und kann sogar auf natürlichem Wege erfolgen. Hierfür gibt es zahlreiche positive Beispiele von Frauen, die trotz der erhöhten Hemmschwelle Mütter geworden sind und es keineswegs bereuen – im Gegenteil: Sie sind meist sehr dankbar, neues Leben geschaffen zu haben.
Den meisten Müttern wird jedoch zu einem Kaiserschnitt geraten, weil es bei einer natürlichen Geburt während der Presswehen zu einem Prolaps kommen kann. Dieser bildet sich allerdings in den meisten Fällen von selbst zurück.
Nach der eigentlichen Stoma-OP sollte mindestens zwei Jahre mit der Familienplanung gewartet werden, da sich der Bauchraum erst stabilisieren muss. Zudem sollte vorher überprüft werden, ob die Fruchtbarkeit durch die OP beeinträchtigt wurde. Während der Schwangerschaft ist es wichtig, durch einen Stomatherapeuten betreut zu werden und die Stomaversorgung entsprechend des wachsenden Bauches anpassen zu lassen.