Mit einem Urostoma für acht Wochen nach Neuseeland? Für unsere Patientin Frau Kaffke war genau das Realität.
Sie hat ihre Tochter besucht, neue Erinnerungen gesammelt und gezeigt, dass ein Stoma kein Grund ist, auf das Leben zu verzichten. Mit guter Vorbereitung und einem verlässlichen Homecare-Partner an der Seite können Träume weiterhin Wirklichkeit werden.
Wir haben mit Frau Kaffke über ihre Reise gesprochen – über Ängste, Mut und unvergessliche Momente.
Der Entschluss
Was hat Sie dazu bewegt, für acht Wochen nach Neuseeland zu Ihrer Tochter zu reisen?
Meine Tochter lebt in Neuseeland – und ich wollte sie einfach sehen. Das war mein großes Ziel. Natürlich bedeutete das, dass ich fliegen musste. Für mich stand fest: Wenn ich sie besuchen möchte, dann muss ich diesen Schritt wagen.
Gab es Momente, in denen Sie gezögert oder überlegt haben, die Reise lieber abzusagen?
Ja, je näher die Reise rückte, desto mehr Fagen und manchmal auch Zweifel kamen auf. „Was mache ich, wenn unterwegs etwas passiert?“ oder „Wie sieht es überhaupt versicherungstechnisch aus?“. Solche Gedanken beschäftigen einen natürlich. Aber je mehr Menschen von meinen Plänen wussten, desto klarer wurde: Jetzt ziehst du das durch. Und meine Tochter hat sich so sehr auf meinen Besuch gefreut. Es hat mir außerdem sehr geholfen, offen über meine Reise und meine Gedanken zu sprechen.
Welche Gedanken gingen Ihnen vor dem Abflug durch den Kopf?
Ich war unglaublich aufgeregt. Vor allem der lange Flug machte mir Respekt. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob wirklich alles gutgehen würde. Gleichzeitig war da aber auch die Vorfreude auf das Wiedersehen mit meiner Tochter.
Die Vorbereitung
Wie haben Sie sich auf eine so lange Reise vorbereitet?
Ich habe früh mit der Planung begonnen und mich gemeinsam mit einem Reisebüro intensiv vorbereitet. Wir haben die Flugzeiten, Zwischenstopps und alles Organisatorische genau besprochen. Eine der besten Entscheidungen war, Business Class zu buchen. Für mich ist das nicht selbstverständlich. Bereits Monate zuvor habe ich darauf gespart. Mir war wichtig, während des langen Fluges etwas mehr Privatsphäre zu haben. Außerdem sind die Toiletten dort komfortabler, was mir zusätzliche Sicherheit gegeben hat.
Was durfte in Ihrem Koffer auf keinen Fall fehlen? Wie haben Sie das Gepäck aufgeteilt?
Die Unterstützung von PROLIFE war dabei eine riesengroße Hilfe. Ich habe meine Beraterin, Frau Müller, angerufen und ihr von meinem Vorhaben erzählt. Gemeinsam haben wir genau ausgerechnet, wie viel Versorgungsmaterial ich für acht Wochen benötigen würde. Lieber etwas mehr als zu wenig.
Wir haben die Versorgung aufgeteilt: Die Hälfte kam ins Handgepäck, die andere Hälfte in den Koffer. So wäre ich auch dann für den Anfang gut versorgt gewesen, wenn der Koffer verloren gegangen wäre.
Ein weiteres Thema war der lange Flug. Gemeinsam mit Frau Müller habe ich überlegt, ob ein Beinbeutel sinnvoll wäre. Ich habe das zu Hause ausprobiert, bin damit aber nicht gut zurechtgekommen. Schließlich entschied ich mich, auch keinen Nachtbeutel zu nehmen, sondern meine gewohnte Versorgung zu nutzen. Ich wusste, dass ich im Flugzeug ohnehin nicht tief schlafen würde und im Notfall jederzeit eine neue Versorgung aus dem Handgepäck hätte wechseln können.
Auch die Sicherheitskontrollen am Flughafen beschäftigten mich im Vorfeld. Deshalb hatte ich ein ärztliches Attest dabei sowie eine Zusammenfassung, in der alle benötigten Materialien aufgeführt waren. In Frankfurt war die Kontrolle etwas aufwendiger – ich musste sogar zusätzlich in eine Kabine und Kleidung ablegen. In Singapur verlief dagegen alles völlig unkompliziert. Solche Situationen sind aufregend. Ich darf selbst nicht mehr schwer tragen, so war auch das viele Gepäck mit dem Plus an Material ein Thema.
Welche Tipps würden Sie anderen Betroffenen für die Reisevorbereitung geben?
Ich würde jedem raten, frühzeitig mit der Planung zu beginnen und sich eine Checkliste zu erstellen. Darauf kann man alles notieren und nach und nach abhaken – was bestellt werden muss, woran man denken sollte und was noch fehlt. Außerdem lohnt es sich, mit anderen Betroffenen zu sprechen. Dabei bekommt man oft wertvolle Tipps.
Ich hatte zusätzlich eine Liste mit den genauen Materialbezeichnungen und Artikelnummern dabei. Falls ich in Neuseeland etwas hätte nachbestellen müssen, wäre das deutlich einfacher gewesen.
Leben mit dem Urostoma unterwegs
Gab es unterwegs Situationen, vor denen Sie vorher Respekt hatten?
Am meisten Respekt hatte ich tatsächlich vor dem langen Flug. Ich habe mich gefragt: Was passiert, wenn etwas undicht wird? Aber irgendwann sagte ich mir, dann ist das halt so. Ich kann es nicht ändern. Das gehört zu meinem Leben dazu. Als ich schließlich in Neuseeland gelandet bin und alles problemlos funktioniert hatte, war ich einfach überglücklich.
Was hat Sie während der Reise positiv überrascht?
Der gesamte Ablauf hat hervorragend funktioniert. Ich hatte über das Reisebüro einen Begleitservice gebucht. Das war eine große Erleichterung und hat mir viel Stress genommen. Ich wurde sicher durch die Flughäfen begleitet und konnte mich ganz auf die Reise konzentrieren.
Hatten Sie das Gefühl, dass das Urostoma Sie in Ihrem Urlaub eingeschränkt hat?
Nein, überhaupt nicht. Das Urostoma hat mich während der gesamten Reise nicht eingeschränkt.
Die Unterstützung durch PROLIFE
Welche Rolle hat die Beratung durch PROLIFE bei Ihrer Reiseplanung gespielt?
Eine sehr große. Frau Müller hatte von Anfang an immer ein offenes Ohr für mich. Gerade bei der Reiseplanung war sie eine riesige Unterstützung. Auch die Kollegin aus der Bestellabteilung hat mich hervorragend unterstützt. Diese Beratung und Hilfe haben mir sehr viel Sicherheit gegeben.
Was hat Ihnen besonders viel Sicherheit gegeben?
Ich wusste, dass Frau Müller genau weiß, wovon sie spricht. Ich habe ihren Empfehlungen voll vertraut und mich darauf eingelassen. Dieses Vertrauen hat mir viel von meiner Unsicherheit genommen.
Wie wichtig war es für Sie, zu wissen, dass Sie jederzeit einen Ansprechpartner haben?
Das war mir unglaublich wichtig – nicht nur während der Reiseplanung, sondern bis heute. Ich weiß, dass ich jederzeit anrufen kann. Frau Müller hat immer ein offenes Ohr für mich. Dieses Gefühl, nicht allein zu sein, bedeutet mir sehr viel.
Die Reise selbst
Was war Ihr schönster Moment in Neuseeland?
Ganz klar das Wiedersehen mit meiner Tochter. Ich bin zunächst in Christchurch gelandet und habe dort zwei Tage verbracht, um mich vom Jetlag zu erholen. Danach kam meine Tochter und wir sind gemeinsam zu den Eltern ihres Freundes nach Nelson gefahren, wo wir Weihnachten verbracht haben. Anschließend ging es gemeinsam nach Dunedin zu ihr nach Hause. Die Fahrt dorthin war mit vielen Zwischenstopps geplant, um die Gegend kennenzulernen. Die Landschaften waren wunderschön, wirklich ein faszinierendes Land.
Aber der allerschönste Moment war, meine Tochter endlich wieder in den Arm nehmen zu können. Sie hat sich so sehr gefreut – und war auch ein bisschen stolz auf ihre Mama.
Gibt es ein Erlebnis, an das Sie besonders gerne zurückdenken?
Eigentlich an die gesamte Reise. Neuseeland ist ein unglaubliches Land – mit gewaltigen Gebirgen, riesigen Wäldern und das viele Wasser überall. Diese Landschaft hat mich tief beeindruckt.
Besonders schön war auch, dass ich Pinguine gesehen habe, an Seelöwen vorbeigelaufen bin und sogar Mammutbäume umarmen konnte. Die vielen Eindrücke werde ich nie vergessen.
Mut machen
Was würden Sie Menschen mit einem Urostoma sagen, die sich eine Fernreise noch nicht zutrauen?
Suchen Sie den Austausch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe. Holen Sie sich Unterstützung und beginnen Sie frühzeitig mit der Planung. Nehmen sie Hilfe an. Man muss nicht alles allein schaffen.
Hat diese Reise Ihr Selbstvertrauen verändert?
Ja, sehr sogar. Ich war bei der Reise 70 Jahre alt und unglaublich stolz darauf, diese Reise gemeistert zu haben – besonders nach allem, was ich zuvor erlebt hatte. Als ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, hätte ich vor Freude fast den Boden geküsst.
Was haben Sie aus dieser Erfahrung für sich persönlich mitgenommen?
Wenn man einen Traum hat, sollte man ihn nicht immer weiter aufschieben. Man sollte ihn verwirklichen. Allein diese Reise bewältigt zu haben, war ein großartiges Erlebnis.
Früher war ich eher jemand, der anderen gefolgt ist. Heute ist das anders. So habe ich mir den Begleitservice gegönnt. Heute weiß ich: Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche. Im Gegenteil – sie gibt Sicherheit und nimmt viel Stress. Außerdem erinnere ich mich immer wieder daran: Du hast es schon einmal geschafft. Also schaffst du es auch wieder. Schritt für Schritt und immer nach vorne schauen.
Abschlussfrage
Wenn Sie heute einem Menschen begegnen würden, der gerade ein Urostoma bekommen hat und denkt: „So eine Reise werde ich nie wieder machen können“ – was würden Sie ihm sagen?
Ich würde gar nicht viele Worte machen. Ich würde einfach sagen: „Schau mich an. Was man alles noch schaffen kann. Es geht. Man kann sich viel mehr zutrauen, als man denkt.“
Und ich kann das heute aus voller Überzeugung sagen. Denn inzwischen plane ich bereits meine nächste Reise nach Neuseeland – meine Tochter ist schwanger und ich freue mich darauf, sie bald wieder zu besuchen. Der große Unterschied ist: Jetzt weiß ich, wie es geht.









